Freitag, 30. September 2011

Erste Erasmus-Party im "Figaro"

Gestern waren wir abermals vergeblich- mittlerweile das fünfte Mal (!)- im Vodafone Shop. Es ist hier echt schwer kabelloses Internet zu organisieren. Jetzt haben wir erst einmal einen Stick zur Überbrückung. "Tuesday! Maybe."- Ja, ja.
Aber schade eigentlich: Bisher waren wir jeden Tag im Starbucks, um Internet zu schnorren und die Verkäufer hinter der Theke geben uns schon High-Fives, wenn wir eintrudeln. Nach einer neuerlichen Starbucks Session sind wir dann mitten in einen Demonstrationszug der Studentenschaft geraten. War eigentlich ganz gemütlich. Nur waren die älteren Menschen ein wenig genervt, weil der Zug ausgerechnet auf der Hauptschlagader durchgeführt wurde und einfach gar nichts mehr ging.
Am Abend fand dann das Europa-League-Spiel Rubin Kasan vs. PAOK Saloniki statt. Unfassbar, dass für so ein Spiel quasi die ganze Fast Food-, Wett- und Kneipenindustrie für 90min stillsteht. Es waren kaum Autos auf den Straßen (ich übertreibe etwas, aber es war schon beeindruckend).
Am Abend ging es dann zur allerersten Erasmus-Party in den Club "Figaro". So eine Party hat eine ziemliche Eigendynamik, vor allem dann, wenn Longdrinks wie Whisky-Cola im Verhältnis 50:50 gemischt werden. Speziell die Serben und die Spanier drehen komplett am Rad, wenn sie einmal in Fahrt sind. Der Alkohol hat bei mir nicht so wirklich angeschlagen- es war aber trotzdem ein Klasse Abend! Größter Blickfang waren übrigens zwei Isländerinnen.
Schlimmstes Ereignis dieses Abends war die Begegnung mit Deutschen, denen ich eigentlich größtenteils aus dem Weg gehen wollte. Auf der Toilette begegnet man meistens dem größten Übel. Mein Kreuz waren fünf sächsische Maschinenbauer im besten Alter. Da hört und spricht man fast eine Woche kein Wort Deutsch und wird dann unverhofft mit dem derbsten Dresdnerisch und Freibergisch zugetextet. Ich will mich nicht beschweren oder meine Herkunft verleugnen, aber es war eine Begegnung der dritten Art- sächsische Geeks.
Apropos Herkunft: Ich dachte ja, dass die Deutschen hier etwas verhasst sind. Es ist aber eher ein totales Desinteresse! Meistens läuft das so ab: "Where are you guys from?" - "France." - "Ohhh France! Nice!! Blablblabla.... And you?" - I'm from Germany." - "Aha. And you?" - "Hungary." - "Oh! Hungary! Blablablabla". Ich werde mich demnächst mal als Österreicher Ausgeben. Vielleicht fruchtet das eher.

Mittwoch, 28. September 2011

Der erste Besuch der Aristoteles Universität

Der Campus der Uni ist wirklich riesig, sodass einem schon von vornherein der Überblick fehlt. Ein wager Blick ins Internet ließ nur erahnen, wo sich die Gebäude und Büros unserer Begierde befinden. Als wir letzten Sonntag schon einmal den Campus besichtigten, war noch nichts von den angeblich 90.000 Studenten zu bemerken. Lediglich die alten Gebäude- Marke „Weinholdbau“- und die duzenden Streikplakate dienten uns damals als Orientierungshilfe. Am Dienstag schafften wir es dennoch schnell nach einigem „Excuse me, where can I find…“– Runden zur ersten Erasmus-Anlaufstelle zu gelangen. Meine „deutsche“ Vorstellung, in einem Büro relativ privat von Angesicht zu Angesicht mit einem Menschen zu sprechen, erhielt allerdings rasch einen Rüffel. Vielmehr standen wir vor einer langen Glasfassade mit Lautsprechern; es ähnelte irgendwie einem Drive-In. Wir mussten also im Stehen über ein Mikrophon nach innen mit einer Person kommunizieren, die ich persönlich kaum sehen konnte, weil das Fenster mit Flyern und Plakaten abgeklebt war. Es klappte irgendwie, da sich die junge Frau zum Glück ziemlich viel Zeit für mich nahm. Ich bekam ein paar Dokumente auf Griechisch und einen Lageplan in die Hand gedrückt. Das nächste Ziel war die Faculty of Law. Da wir aber ziemlich scharf darauf waren endlich unseren Studentenausweis zu bekommen, gingen wir erst einmal ins Hauptgebäude und landeten in irgendeinem Sekretariat. Nachdem wir unseren griechischen Wisch vorgezeigt hatten, brach ein totales Chaos unter den sieben bis acht Sekretärinnen aus. Keiner wusste was mit uns anzufangen. Alle redeten durcheinander und nicht eine konnte im zusammenhängenden Englisch mit uns kommunizieren. Aus irgendwelchen Gründen haben wir dann Stempel auf die Formulare bekommen, die aber zu einhundert Prozent überflüssig waren. Als das Chaos dennoch immer weiter zunahm, schob ich unter einem flüsternden „Let’s get out of here!“ meine beiden Mitbewohner aus dem Büro. Draußen angekommen, musste ich mich vor Lachen erst einmal fünf Minuten hinsetzen.
Das Gebäude der Faculty of Law war komplett mit Vorhängeschlössern von den Studenten abgeriegelt worden. Wir haben es trotzdem irgendwie geschafft reinzukommen und versuchten uns zu der richtigen Büroadresse durchzufragen. Wer den Erasmus-Film gesehen hat, weiß wie das aussieht. Man schickte uns zu den verschiedensten 30x30cm-Schaltern die zumeist auch noch vergittert waren. Dennoch fielen wir nicht sonderlich auf, da die griechischen Ersties um einiges verstörter wirkten als wir. Hin und wieder kamen uns auf den Fluren ein paar wilde Hunde entgegen, die in Thessaloniki mitsamt Katzen und dem Müll einfach zur Stadt gehören. Schlussendlich ging alles gut. Nächste Woche beginnen die Vorlesungen, wobei ich einige Jura-Einheiten besuchen werde, einige sogar in deutscher Sprache.

[P.S.: Ich habe mich jüngst erinnert, dass Tauben eines der wenigen Tierarten sind, die ihr Leben lang monogam verbringen. Gerührt von diesem Gedanken habe ich dem Taubenpaar über meiner Balkontür die Namen „Samson“ und „Trixie“ gegeben- frei nach dem Chip & Chap-Cartoons.]

Es hat sich herausgestellt, dass in der Wohnung über uns ein französischer Pianist lebt. Das heißt wir bekommen jeden Mittag und Abend entweder ein Klavier- oder ein ganzes Sinfoniekonzert über seine Anlage zu hören. Leider habe ich aus den ersten Nächten in meinem Zimmer eine zutiefst verstörende Vorahnung was das Paar betrifft- näheres dazu später.

Hinterhof, Promenade, Sonnenuntergang.






Sonntag, 25. September 2011

Erste Eindrücke von Thessaloniki

Kalimera! Nachdem ich den ersten tief sitzenden Kulturschock allmählich verdaut habe, gebe ich einfach mal die ersten Eindrücke wider.

Die Busfahrt vom Flughafen war zwar günstig (90 Cent im Vergleich zu 15€ für ein Taxi), aber die Griechen wirkten alle ganz schön gestresst und es war eine gefühlte Ewigkeit in dieser Sauna auf vier Rädern. Ich stieg etwa 2 Kilometer vor der Stadtmitte aus und fand auch fast gleich die Wohnung. Ich wohne also im 5. Stock eines normalen Wohnhauses mit Arthur aus Frankreich und Fruszi aus Ungarn zusammen, mit denen ich auch schon die Stadt ein wenig erkundet habe. Ich habe das kleinste und kühlste Zimmer, allerdings mit nur 50cm Balkon. Außerdem nisten die Tauben über meinem Fenster, weswegen ständig Federn ins Zimmer fliegen. Ab und zu rauschen Flugzeuge im Tiefflug über die Stadt. Das geräuschvollste ist allerdings sowohl ein Lautsprecherwagen der heute Morgen durch die engen Straßen fuhr (und täglich verkündet er wolle Schrott ankaufen) und die wild bis in den Abend diskutierenden älteren Nachbarn. Das Internet in der Wohnung ist auch noch ein ungeklärtes Faktum. Heute Abend treffen wir das Vermieterpärchen und quatschen dann über alles weitere.

Auf dem Weg in die Innenstadt fällt einem erst einmal die militärische Vergangenheit auf. Auf dem Flughafen waren Unmengen an vor sich hinsiechenden Flugzeughangars zu sehen. Außerdem ist hier mitten in der Stadt ein großes Bataillon griechischer Soldaten stationiert. Genau neben dem Campus - und dem Gefängnis.
Die Krise kriegt man hier noch nicht so wirklich mit. Man sieht zwar des Öfteren geschlossene Geschäfte, aber mehr Leerstand als in Chemnitz ist auch nicht zu beobachten. Am Samstagabend war die Innenstadt voller junger Leute, die quasi nur so mit dem Geld um sich geschmissen haben und auch sonst nicht wirklich ärmlich aussahen- vielleicht nur Fassade? Im Golf von Thessaloniki liegen ein gutes Duzend Frachter, die auf das Löschen ihrer Ladung warten; die warten wohl vergeblich. Die Hafenpromenade ist zurzeit eine Katastrophe, da sie von Grund auf erneuert wird.
Das einzige was wirklich nach Krise riecht sind die Preise hier. Bis auf Wasser, Tabak und Fast Food ist hier alles um einiges teurer als in Deutschland- Super-Benzin: 1,69€/Liter; Milch 1,50€/Liter, eine kleine Dose Bier 70 Cent.

Man merkt des Weiteren eine große Antipathie gegen Albaner und Mazedonier. Sie schlagen sich an der Hafenpromenade zusammen mit afrikanischen Flüchtlingen mit dem Verkauf von Spittel und gefälschten Uhren, Sonnenbrillen und Sportschuhen durch. Auch meine Mitbewohnerin scheint den meisten Balkanvölkern von Haus aus nicht sonderlich wohlgesonnen.

Ich genieße heute erst einmal weiter die Sonne und morgen geht‘s dann auf den Oldschool-Campus, der aussieht wie 50mal Weinholdbau nebeneinander. Noch bestreiken und boykottieren die Studenten den Campus.
Ich bin gespannt!



Seaside



Balkon



Meine H00d