Montag, 30. Januar 2012

This is: the end.

Viel zu spät werd ich nun über die letzten Tage berichten.
Ein richtig zusammenfassendes Schlusswort über mein Erasmus-Semester und das Auslandsstudium allgemein gibt es erst im April/Mai in dem Campus-Magazin "Tuchfühlung“ zu lesen.

[…]

Am 23.1. nahm ich meinen vorerst letzten Flug von Griechenland nach Hause. Der Abschied dauerte drei volle Tage. Es fühlte sich eher nach Erlösung an und wurde daher sehr exzessiv gefeiert. Aber alles nach dem anderen:
Am Freitag den 13.1. hab ich es nun endlich durchgezogen und bin zusammen mit Anna aus Krakau in das beste Tattoo-Studio der Stadt geschlendert. Typisch Griechisch ließ sich der volle Terminkalender mit einer kurzen Diskussion und einem kurzen Anruf umgehen. Im Studio selbst fühlte ich mich pudelwohl: leckerer Kaffee und guter Tabak, nette Gespräche und ein richtig guter Artist haben mir den Nachmittag echt verschönert. Nachher ging allerdings mein Kreislauf total in den Keller und hat sich mit dem Adrenalin im Körper darum gezankt, wer die Oberhand behält. Glücklicherweise wohnte ich ja mit Neil zusammen, der ja Medizin studiert und mich postwendend zu 5 Litern Wasser und einer riesen Pizza einlud.
Die Tage danach waren geprägt von Tattoo-Pflege und lernen, lernen, lernen. Drei Prüfungen lagen vor mir. Zwei Klausuren und eine mündliche Prüfung. Die schriftlichen Examen entpuppten sich als purer Witz! Einmal ging es um 10 Multiple-Choice-Fragen, für die ich 10 Minuten Zeit hatte. Zum anderen eine Zwei-Stunden-Prüfung, die von einem Hilfswissenschaftler überwacht wurde und bei der wirklich jeder in dieser Klausur beschissen hatte, was das Zeug hielt. Vom iPhone über Script-auf-Schoß bis zum offenen Austausch war alles dabei. Den HiWi hat's nicht gestört auch als hin und wieder das riesige Script von den strammen Beinen unserer post-kommunistischen Lieblingsstudentin aus der Ukraine lautstark auf den Boden der ersten Reihe fiel. Scheißegal. Nicht scheißegal war das Martyrium der ersten Prüfung: Nachdem der gefühlt steinalte Prof gut zwei Stunden zu spät kam, weil er den Schmierzettel mit den Daten der Prüfungstermine versemmelt hatte, musste ich weitere 90 Minuten warten, da es zu viele Studenten für eine Gruppe in der mündlichen Prüfung waren. Derweil machten wir Witze über den Prof, da er tags zuvor gerade von einer "geschäftlichen" Reise aus Paris gekommen war und bestimmt den Jet Lag verdauen musste. Das Lachen blieb uns im Halse stecken, als die erste Gruppe mit bleichen Gesichtern aus dem Büro des Profs für Soziologie des Rechts herauskam und erzählte, dass es verflucht schwer bis unmöglich gewesen sei (4 von 5 hatten bestanden). Und tatsächlich: der gute Herr erzählte erst einmal zu jedem Herkunftsland von uns eine kleine Anekdote, fragte uns irgendwelchen irrelevanten Firlefanz (bei mir ging es um die deutsche kommunistische Partei) und quatschte einfach drauf los, wie unfair die Krise doch Griechenland getroffen hat. Jedenfalls hat er Stoff des ganzen Semesters abgefragt. Meine Aufzeichnungen waren eigentlich gut genug, aber dieses Jura-Kauderwelsch versteht kein Mensch und ein Politikwissenschaftler erst recht nicht, zumal auf Englisch. Irgendwie, keine Ahnung wie, hab ich mich da durchgekämpft, nachdem nach der Hälfte der Zeit jeder von uns versucht hatte, um jede Antwort zu ringen. Am Ende hatte ich 7 von 10 BE; 3 von uns 5 sind durchgefallen. Hier gab es leider keinen Erasmus-Nachsichtsbonus.

Die Abschiedsfeiern danach spiegeln wie gesagt die Erleichterung wieder. In der Woche der Prüfungen, meiner letzten Erasmus-Woche, hab ich kaum das Tageslicht gesehen oder bin weggegangen. Dementsprechend weiß ich von dem Freitag gar nichts mehr und kann daher wenig berichten. Es ging beim Kochen mit Couchsurfern aus Straßburg los, ging im Basement weiter und endete irgendwie auf einer Uni-Party...das war's schon.
Den Samstag werd ich sicherlich nicht vergessen. Nach Entkaterung und einem letzten Spaziergang an der Promenade, wartete eine Überraschungsparty auf mich, von der ich keinen blassen Dunst hatte. Ich lud lediglich 40 Leute ins Basement ein. Daraus wurde aber ein Katz-und-Maus-Spiel meiner Freunde mit mir. Ich hab einigen die Story schon erzählt. Und die, die sie kennen, wissen wir naiv ich war :) Naja, es warteten ca. 60 Leute in der Wohnung von Romain mit einem dicken "Surprise!" auf mich, was mich total sprachlos machte. Toller Abend! Schöne Gespräche, guter Wein, wütende Nachbarn und eine nette Party im Silver Dollar. Am Sonntag ging es dann abends mit dem "harten Kern" in die Taverne. Viel zu viel Essen und Rotwein haben wir uns dort eingeflößt. Es war einfach die totale Völlerei. Es waren wenige Emotionen im Spiel, denn es sind viele Besuchsreisen geplant im Frühjahr/ Sommer.

Ich bin froh wieder da zu sein. Ich weine Griechenland eine Woche danach noch keine Träne hinterher und ich hoffe das bleibt so...

Mittwoch, 11. Januar 2012

twelve days left.

Ich wünschte, ich hätte mehr zu berichten als "twelve days left".

Meine Reisen in die Klosterregion und nach Athen musste ich leider aus zeittechnischen Gründen absagen. Zurzeit konzentriert sich alles wider Erwarten auf das Lernen. Drei Examen stehen ins Haus, die wohl nächsten Donnerstag und Freitag abgehalten werden. So hoffe ich, da ich danach keine Zeit mehr habe. Meine Abreise steht, wie oben angegeben, bald ins Haus. Dazu kommt noch eine Hausarbeit, wo mir weder das fertige Thema, noch die Deadline, noch die angeforderten Formalitäten bekannt sind. Ohhh, Greece!
So langsam trudeln alle Erasmus-Menschen wieder in Thessaloniki ein und wundern sich, warum ich lerne. Manche werden schnell von der Realität eingeholt; und zwar mit dem Bewusstsein, dass ja nächste Woche die Prüfungszeit losgeht. Yoann und Amr sind heute von ihrer dreiwöchigen Tour durch Europa wiedergekommen (Thessaloniki-Mailand-Marseille-Malta-Porto-Lissabon-Valencia-Rom-Thessaloniki). War natürlich total krass, allerdings wird Amr ein Fach nicht bestehen, weil er zu einer Prüfung nicht da war. Erasmus hat eben zwei Seiten. Die Zweite sollte man nicht unterschätzen. [Falls ich aber ein Examen verhauen sollte und somit meine 20 Soll-Credits nicht erreiche, werde ich dem Erasmus-Programm keinen müden Cent zurückzahlen (denn das wäre die Sanktion).]
Meine Schreibkreativität lässt langsam nach, was darauf zurückzuführen ist, dass ich übermäßig lerne. Nun denn. Die ersten Partys habe ich schon abgesagt. Freitag und Samstag ist aber wieder Bambule. Ich darf schon eine kleine Neuerung an mir ankündigen. Ob ich es durchziehe, vermag ich nicht zu sagen. Freitagabend weiß ich es aber :)
Was noch...achja! Ich bin nun heute wieder mal umgezogen!! Das letzte Mal hoffe ich. Von Jean-Noel ging es eine Straße weiter zu Neil aus Nebraska. Er ist stattliche 2m groß und studiert Medizin. Ich kannte ihn schon vorher sehr gut. Wir waren zuletzt bei einem Basketballspiel von PAOK Saloniki, was ziemlich unterhaltsam war, da die griechischen Fans einen besonderen Hang zum Fluchen haben. Wie dem auch sei, ich kann vom Balkon meiner neuen Bleibe das Meer sehen und von hier aus direkt meine Jogging-Runden an der Promenade drehen. Das heißt...wenn ich nicht gerade lernen muss.

[Zu guter Letzt: Die Zeit drängt! Nur noch 3 Wochen bis Nürnberg und die Wohnungssuche verläuft relativ schleppend. Ich hätte eine Zusage für März, aber damit habe ich nicht viel gewonnen. Entweder ich finde noch was für Februar oder ein neues Angebot für beide Monate. Ich freue mich schon sehr darauf, auch wenn ich hoffe, dass mich der Kontrast von Erasmus und seriöser Arbeit nicht gleich umbringt. :)]

Schade, dass die letzte Zeit hier nicht so fruchtvoll ist. Der geneigte Leser denkt sich aber bestimmt: "spinnt der?!". Ja, ich hatte eine tolle Zeit und ich möchte keinen Moment missen, aber die Luft ist raus und der halbwegs seriöse Alltag hat mich nunmehr auch erreicht.

Ich schaue nach vorn. Erasmus 4 Life, aber bitte nur max. ein Semester! :)

Dienstag, 3. Januar 2012

Back in Greece again!

Zurzeit ist nicht viel los in Griechenland (was Politik betrifft), in Thessaloniki (was das lebendige Flair betrifft) oder in Erasmus (ihr wisst schon).
Als ich am 30.12. gelandet bin (die Reisedetails spar ich mir mal) war es grau, trübe und ziemlich frisch. Ich hatte mich sehr auf meine Rückkehr gefreut, auch weil ich mit dem ganzen Weihnachts-Klimm-Bimm dieses Jahr nicht viel anfangen konnte - so ganz ohne Vorweihnachtszeit. [Es war trotzdem schön zu Hause zu sein, so viele Leute zu treffen und die eine oder andere Party mitzunehmen. Auch meine alte WG und die Dolphins hatte ich ja mehrere Male aufgesucht. Nichtsdestotrotz waren es relativ stressige zwölf Tage für mich daheim, deshalb genieße ich gerade die friedliche Ruhe der griechischen Post-Weihnachtszeit.]

Wie gesagt, es sind hier nicht gerade viele Leute übrig geblieben. Mit den Verbliebenen feierte ich dann noch einen sehr schönen Silvester-Abend, auch wenn es (ich übertreibe sicherlich) ein sehr Gediegener war. Vorher stand ich recht früh auf, um noch ein paar Einkäufe zu tätigen. Auf dem Markt hab ich mich dann gleich mal ausgelebt und haufenweise Gemüse, Brot und was weiß der Geier nicht noch alles gekauft. Auf dem Markt selbst war die Hölle los- weit aus mehr als üblich! Vor allem beim Bäcker war Anarchie angesagt. Man prügelte sich um einen großen, flachen Kuchen, der mit einem aus Zuckerguss bestehenden "2012" versehen war. Später erfuhr ich, dass sich in dem Teig ein Zwei-Euro-Stück verbirgt und dass derjenige, der das Stück mit der Münze bekommt, wohl besonders viel Glück im neuen Jahr erhält. Naja, erstens hab ich das Geldstück nicht erwischt und zweitens war der Kuchen geschmacklich auch so lala! Auf dem Rückweg vom Supermarkt, in welchem ich eine Flasche günstigen und am Ende sogar recht guten Sekt ergattert hatte, machte sich mein Magen bemerkbar. So hielt ich Ausschau nach der nächsten Fressbude. Meine Aufmerksamkeit fiel sogleich auf einen schön großen Grill auf dem Trottoir, der reich bestückt mit Souvlaki-Spießen war. Von der Mischung aus einem Fleisch-Zitronen-Duft und der Aussicht auf ein schnelles Mittagessen angelockt, trat ich näher und grüßte den Grillmeister mit einem freundlichen "Yassu!". Der ältere Herr musterte mich blöde mit einem Blick, der so in etwa sagte "ähm hallo...und was willste?!". Nach einem 5-sekündigen Wortwechsel zog ich mit einem dicken F für "Fail" auf der Stirn davon. Aufklärung gab spätestens ein Streifzug durch das Viertel danach. Es gehört zur netten Tradition mal eben einen Grill, Brot, Wein und haufenweise Fleisch auf den Bürgersteig zu stellen und seine Dudes einzuladen, um den Nachmittag ohne Frau, dafür mit Alkohol und Fleisch zu füllen. Die Angefressenheit, nicht eingeladen gewesen zu sein, spricht immer noch aus mir.

Vor der Silvester-Party bereitete ich noch schnell ein paar gut deutsche Schnitzel vor, natürlich doppelt paniert, denn ich war zum Abendessen in einer lettisch, slowakisch, ukrainischen Mädels-WG eingeladen. Es stellte sich heraus, dass ich der erste männliche Gast (unvorstellbar!!) war, worüber man sich kräftig ausließ. Um kurz vor elf schlugen wir dann in der Wohnung von Alexander, einem deutsch-griechischem Medizinstudenten aus Leipzig, auf. Viele hübsche Frauen und unbekannte Gesichter traf ich dort an. Einige waren nur zu Besuch, z.B. ein Engländer und eine Finnin. Das Feuerwerk war äußerst spärlich- ausgesprochen spärlich. Knappe fünf Minuten wurden ein paar fette Raketen hochgejagt und das war‘s dann schon gewesen. Naja. Danach wurde es langsam eklig. Ich spar mir die Einzelheiten, aber manche Leute vertragen einfach nix. Armer Alexander. Naja, wir beschlossen (okay wir "wurden gegangen") nach Ladadika, dem Kneipenviertel der Stadt, zu gehen. Weil sich die Meute vor dem Haus wie immer nicht einig wurde, ging ich mit der erstbesten Gruppe in Richtung „8-Ball“, unserem Stammclub. Die serbisch-polnische Gruppe war sich dann trotzdem unsicher und nach einer Irrfahrt durch 3-4 andere Kneipen fand ich mich alleine wieder. Die 10 € Eintritt für den 8-Ball umging ich, indem ich einfach am Einlass vorbeigelaufen bin, als ginge es mich nichts an. Was folgte war Tanz und Trunkenheit bis 8Uhr morgens.
Die nächsten zwei Tage war die Stadt wie im Winterschlaf. Keine Geschäfte geöffnet, nicht mal die Fast-Food-Dinger waren auf. Ein paar Spaziergänge folgten. Langsam trudeln die ersten Erasmus-Menschen wieder ein. Auch Romain(!!) kommt wieder, "leider" aber mit Freundin. Zurzeit gastiere ich bei Jean-Noel, der Weihnachten in Athen und Silvester in Istanbul verbrachte und der mich richtig neidisch mit seinen Erzählungen machte. Mein Reisehunger ist damit wieder geweckt und ich kann‘s kaum erwarten meinen Couch-Surfer-Account endlich in Realität umzusetzen.

Wie ihr wisst habe ich ja nun keine feste Wohnung mehr. Ich war‘s einfach leid mit anzusehen wie ich abseits in einer teuren und langweiligen WG verschimmle. Nun habe ich vier Tage in Romains Wohnung verbracht. Da er morgen mit seiner Freundin zurückkehrt, werde ich wohl rausgeschmissen. Aber ich kann mein Zeug bei Jean-Noels und Amrs Wohnung ablegen und auch bis mindestens bis zum 12.1. dort pennen, weil keiner da ist. Ich habe mir nun vorgenommen in Thessaloniki das Couchsurfen zu starten. Das Hauptquartier bei Jean-Noel besitzend, ziehe ich dann mit dem Rucksack von A nach B und übernachte bei Daan (NL), Maria (USA), Neil (USA), Thies (D), Friedemann (D), .... mal sehen. Außerdem will ich bei ein paar Griechen nächtigen und nach Athen muss ich ja auch noch - wohl mit Isaac (BEL). Ich habe also viel vor. Noch 19 Tage.