Zurzeit ist nicht viel los in Griechenland (was Politik betrifft), in Thessaloniki (was das lebendige Flair betrifft) oder in Erasmus (ihr wisst schon).
Als ich am 30.12. gelandet bin (die Reisedetails spar ich mir mal) war es grau, trübe und ziemlich frisch. Ich hatte mich sehr auf meine Rückkehr gefreut, auch weil ich mit dem ganzen Weihnachts-Klimm-Bimm dieses Jahr nicht viel anfangen konnte - so ganz ohne Vorweihnachtszeit. [Es war trotzdem schön zu Hause zu sein, so viele Leute zu treffen und die eine oder andere Party mitzunehmen. Auch meine alte WG und die Dolphins hatte ich ja mehrere Male aufgesucht. Nichtsdestotrotz waren es relativ stressige zwölf Tage für mich daheim, deshalb genieße ich gerade die friedliche Ruhe der griechischen Post-Weihnachtszeit.]
Wie gesagt, es sind hier nicht gerade viele Leute übrig geblieben. Mit den Verbliebenen feierte ich dann noch einen sehr schönen Silvester-Abend, auch wenn es (ich übertreibe sicherlich) ein sehr Gediegener war. Vorher stand ich recht früh auf, um noch ein paar Einkäufe zu tätigen. Auf dem Markt hab ich mich dann gleich mal ausgelebt und haufenweise Gemüse, Brot und was weiß der Geier nicht noch alles gekauft. Auf dem Markt selbst war die Hölle los- weit aus mehr als üblich! Vor allem beim Bäcker war Anarchie angesagt. Man prügelte sich um einen großen, flachen Kuchen, der mit einem aus Zuckerguss bestehenden "2012" versehen war. Später erfuhr ich, dass sich in dem Teig ein Zwei-Euro-Stück verbirgt und dass derjenige, der das Stück mit der Münze bekommt, wohl besonders viel Glück im neuen Jahr erhält. Naja, erstens hab ich das Geldstück nicht erwischt und zweitens war der Kuchen geschmacklich auch so lala! Auf dem Rückweg vom Supermarkt, in welchem ich eine Flasche günstigen und am Ende sogar recht guten Sekt ergattert hatte, machte sich mein Magen bemerkbar. So hielt ich Ausschau nach der nächsten Fressbude. Meine Aufmerksamkeit fiel sogleich auf einen schön großen Grill auf dem Trottoir, der reich bestückt mit Souvlaki-Spießen war. Von der Mischung aus einem Fleisch-Zitronen-Duft und der Aussicht auf ein schnelles Mittagessen angelockt, trat ich näher und grüßte den Grillmeister mit einem freundlichen "Yassu!". Der ältere Herr musterte mich blöde mit einem Blick, der so in etwa sagte "ähm hallo...und was willste?!". Nach einem 5-sekündigen Wortwechsel zog ich mit einem dicken F für "Fail" auf der Stirn davon. Aufklärung gab spätestens ein Streifzug durch das Viertel danach. Es gehört zur netten Tradition mal eben einen Grill, Brot, Wein und haufenweise Fleisch auf den Bürgersteig zu stellen und seine Dudes einzuladen, um den Nachmittag ohne Frau, dafür mit Alkohol und Fleisch zu füllen. Die Angefressenheit, nicht eingeladen gewesen zu sein, spricht immer noch aus mir.
Vor der Silvester-Party bereitete ich noch schnell ein paar gut deutsche Schnitzel vor, natürlich doppelt paniert, denn ich war zum Abendessen in einer lettisch, slowakisch, ukrainischen Mädels-WG eingeladen. Es stellte sich heraus, dass ich der erste männliche Gast (unvorstellbar!!) war, worüber man sich kräftig ausließ. Um kurz vor elf schlugen wir dann in der Wohnung von Alexander, einem deutsch-griechischem Medizinstudenten aus Leipzig, auf. Viele hübsche Frauen und unbekannte Gesichter traf ich dort an. Einige waren nur zu Besuch, z.B. ein Engländer und eine Finnin. Das Feuerwerk war äußerst spärlich- ausgesprochen spärlich. Knappe fünf Minuten wurden ein paar fette Raketen hochgejagt und das war‘s dann schon gewesen. Naja. Danach wurde es langsam eklig. Ich spar mir die Einzelheiten, aber manche Leute vertragen einfach nix. Armer Alexander. Naja, wir beschlossen (okay wir "wurden gegangen") nach Ladadika, dem Kneipenviertel der Stadt, zu gehen. Weil sich die Meute vor dem Haus wie immer nicht einig wurde, ging ich mit der erstbesten Gruppe in Richtung „8-Ball“, unserem Stammclub. Die serbisch-polnische Gruppe war sich dann trotzdem unsicher und nach einer Irrfahrt durch 3-4 andere Kneipen fand ich mich alleine wieder. Die 10 € Eintritt für den 8-Ball umging ich, indem ich einfach am Einlass vorbeigelaufen bin, als ginge es mich nichts an. Was folgte war Tanz und Trunkenheit bis 8Uhr morgens.
Die nächsten zwei Tage war die Stadt wie im Winterschlaf. Keine Geschäfte geöffnet, nicht mal die Fast-Food-Dinger waren auf. Ein paar Spaziergänge folgten. Langsam trudeln die ersten Erasmus-Menschen wieder ein. Auch Romain(!!) kommt wieder, "leider" aber mit Freundin. Zurzeit gastiere ich bei Jean-Noel, der Weihnachten in Athen und Silvester in Istanbul verbrachte und der mich richtig neidisch mit seinen Erzählungen machte. Mein Reisehunger ist damit wieder geweckt und ich kann‘s kaum erwarten meinen Couch-Surfer-Account endlich in Realität umzusetzen.
Wie ihr wisst habe ich ja nun keine feste Wohnung mehr. Ich war‘s einfach leid mit anzusehen wie ich abseits in einer teuren und langweiligen WG verschimmle. Nun habe ich vier Tage in Romains Wohnung verbracht. Da er morgen mit seiner Freundin zurückkehrt, werde ich wohl rausgeschmissen. Aber ich kann mein Zeug bei Jean-Noels und Amrs Wohnung ablegen und auch bis mindestens bis zum 12.1. dort pennen, weil keiner da ist. Ich habe mir nun vorgenommen in Thessaloniki das Couchsurfen zu starten. Das Hauptquartier bei Jean-Noel besitzend, ziehe ich dann mit dem Rucksack von A nach B und übernachte bei Daan (NL), Maria (USA), Neil (USA), Thies (D), Friedemann (D), .... mal sehen. Außerdem will ich bei ein paar Griechen nächtigen und nach Athen muss ich ja auch noch - wohl mit Isaac (BEL). Ich habe also viel vor. Noch 19 Tage.
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