Viel zu spät werd ich nun über die letzten Tage berichten.
Ein richtig zusammenfassendes Schlusswort über mein Erasmus-Semester und das Auslandsstudium allgemein gibt es erst im April/Mai in dem Campus-Magazin "Tuchfühlung“ zu lesen.
[…]
Am 23.1. nahm ich meinen vorerst letzten Flug von Griechenland nach Hause. Der Abschied dauerte drei volle Tage. Es fühlte sich eher nach Erlösung an und wurde daher sehr exzessiv gefeiert. Aber alles nach dem anderen:
Am Freitag den 13.1. hab ich es nun endlich durchgezogen und bin zusammen mit Anna aus Krakau in das beste Tattoo-Studio der Stadt geschlendert. Typisch Griechisch ließ sich der volle Terminkalender mit einer kurzen Diskussion und einem kurzen Anruf umgehen. Im Studio selbst fühlte ich mich pudelwohl: leckerer Kaffee und guter Tabak, nette Gespräche und ein richtig guter Artist haben mir den Nachmittag echt verschönert. Nachher ging allerdings mein Kreislauf total in den Keller und hat sich mit dem Adrenalin im Körper darum gezankt, wer die Oberhand behält. Glücklicherweise wohnte ich ja mit Neil zusammen, der ja Medizin studiert und mich postwendend zu 5 Litern Wasser und einer riesen Pizza einlud.
Die Tage danach waren geprägt von Tattoo-Pflege und lernen, lernen, lernen. Drei Prüfungen lagen vor mir. Zwei Klausuren und eine mündliche Prüfung. Die schriftlichen Examen entpuppten sich als purer Witz! Einmal ging es um 10 Multiple-Choice-Fragen, für die ich 10 Minuten Zeit hatte. Zum anderen eine Zwei-Stunden-Prüfung, die von einem Hilfswissenschaftler überwacht wurde und bei der wirklich jeder in dieser Klausur beschissen hatte, was das Zeug hielt. Vom iPhone über Script-auf-Schoß bis zum offenen Austausch war alles dabei. Den HiWi hat's nicht gestört auch als hin und wieder das riesige Script von den strammen Beinen unserer post-kommunistischen Lieblingsstudentin aus der Ukraine lautstark auf den Boden der ersten Reihe fiel. Scheißegal. Nicht scheißegal war das Martyrium der ersten Prüfung: Nachdem der gefühlt steinalte Prof gut zwei Stunden zu spät kam, weil er den Schmierzettel mit den Daten der Prüfungstermine versemmelt hatte, musste ich weitere 90 Minuten warten, da es zu viele Studenten für eine Gruppe in der mündlichen Prüfung waren. Derweil machten wir Witze über den Prof, da er tags zuvor gerade von einer "geschäftlichen" Reise aus Paris gekommen war und bestimmt den Jet Lag verdauen musste. Das Lachen blieb uns im Halse stecken, als die erste Gruppe mit bleichen Gesichtern aus dem Büro des Profs für Soziologie des Rechts herauskam und erzählte, dass es verflucht schwer bis unmöglich gewesen sei (4 von 5 hatten bestanden). Und tatsächlich: der gute Herr erzählte erst einmal zu jedem Herkunftsland von uns eine kleine Anekdote, fragte uns irgendwelchen irrelevanten Firlefanz (bei mir ging es um die deutsche kommunistische Partei) und quatschte einfach drauf los, wie unfair die Krise doch Griechenland getroffen hat. Jedenfalls hat er Stoff des ganzen Semesters abgefragt. Meine Aufzeichnungen waren eigentlich gut genug, aber dieses Jura-Kauderwelsch versteht kein Mensch und ein Politikwissenschaftler erst recht nicht, zumal auf Englisch. Irgendwie, keine Ahnung wie, hab ich mich da durchgekämpft, nachdem nach der Hälfte der Zeit jeder von uns versucht hatte, um jede Antwort zu ringen. Am Ende hatte ich 7 von 10 BE; 3 von uns 5 sind durchgefallen. Hier gab es leider keinen Erasmus-Nachsichtsbonus.
Die Abschiedsfeiern danach spiegeln wie gesagt die Erleichterung wieder. In der Woche der Prüfungen, meiner letzten Erasmus-Woche, hab ich kaum das Tageslicht gesehen oder bin weggegangen. Dementsprechend weiß ich von dem Freitag gar nichts mehr und kann daher wenig berichten. Es ging beim Kochen mit Couchsurfern aus Straßburg los, ging im Basement weiter und endete irgendwie auf einer Uni-Party...das war's schon.
Den Samstag werd ich sicherlich nicht vergessen. Nach Entkaterung und einem letzten Spaziergang an der Promenade, wartete eine Überraschungsparty auf mich, von der ich keinen blassen Dunst hatte. Ich lud lediglich 40 Leute ins Basement ein. Daraus wurde aber ein Katz-und-Maus-Spiel meiner Freunde mit mir. Ich hab einigen die Story schon erzählt. Und die, die sie kennen, wissen wir naiv ich war :) Naja, es warteten ca. 60 Leute in der Wohnung von Romain mit einem dicken "Surprise!" auf mich, was mich total sprachlos machte. Toller Abend! Schöne Gespräche, guter Wein, wütende Nachbarn und eine nette Party im Silver Dollar. Am Sonntag ging es dann abends mit dem "harten Kern" in die Taverne. Viel zu viel Essen und Rotwein haben wir uns dort eingeflößt. Es war einfach die totale Völlerei. Es waren wenige Emotionen im Spiel, denn es sind viele Besuchsreisen geplant im Frühjahr/ Sommer.
Ich bin froh wieder da zu sein. Ich weine Griechenland eine Woche danach noch keine Träne hinterher und ich hoffe das bleibt so...
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