Die letzten Sonnenstrahlen für‘s erste wurden am letzten Wochenende ausgiebig genutzt. Mit zwei Mietwagen, Marke Nissan und Citroën, ging es in die Berge nahe der albanisch-mazedonisch-griechischen Grenze. Yoann, Romain und Arthur aus Frankreich, Fruszi aus Ungarn, Maija aus Lettland, Julia aus der Ukraine, Amr aus Palästina und Carolin und ich aus Deutschland waren das Team (die Bilder sind bei mir auf Facebook zu sehen). Wir sind ohne große Organisation losgefahren und wussten lediglich wohin es (ungefähr) geht, aber nicht wo wir schlafen. Es ging über endlose gerade Straßen, Autobahnen und am Ende auch über steile Serpeninen bis auf 1500m Höhe in ein Skigebiet. Danach waren wir auch schon an den Prespa Seen nach gut 4 Stunden reiner Fahrzeit. Die Seen sind wirklich einzigartig. Der Tourismus ist dort noch nicht wirklich zu Hause, im Oktober sowieso nicht. Auf der Suche nach Unterkunft kamen wir in ein kleines Dorf mit einer Bibliothek. Dort haben wir zwei ehemalige Erasmus-Studenten aus Spanien und Polen getroffen, die gerade ein 10-monatiges Volontariat absolvieren und die uns gut weiterhelfen konnten. In Psarades kamen wir dann schlussendlich unter- keine 10km von Albanien entfernt. Nach harten Verhandlungen haben wir gut 12€ für die Nacht bezahlt. Am nächsten Tag haben wir die Klosterinsel im kleinen Prespa See besucht, sind aber nach 2 Stunden auch wieder auf der Straße gewesen. Hunger und Tatendrang brachten uns schließlich bis kurz vor den albanischen Grenzübergang. Die Gruppe war allerdings gespaltener Ansicht, ob es sich lohnt nach Albanien zu fahren. Am Ende sind wir dann (und das war die beste Lösung) nach Kastouri gefahren und sind auch dort geblieben. Es erinnert ein wenig an eine mittelalterliche Großstadt. Sie liegt größtenteils auf einer Halbinsel, die umgeben von einem großen See und Bergen wirklich atemberaubend schön gelegen ist. Den Abend haben wir, wie den vorangegangenen, mit internationalen Trinkspielen und einer Art "Werwolf"-Spiel herumgekriegt. bevor wir dann doch die Nacht unsicher gemacht haben. Der erste Club war direkt neben unserem Apartment. Wir freuten uns, dass das Bier nur 2€ kostete, dann stellten wir aber plötzlich fest, dass wir umgeben von 14-17-Jährigen waren. Nachdem ich noch schnell die Facebook-Adresse meiner Band Dolphins Are Gay Sharks auf die Rückseite eines Plakats gekritzelt hatte, ging es weiter zum nächsten...und übernächsten Club- ungewöhnlicher Weise alle ohne Eintritt, sonst sind es 5-10€. Am Ende hatte jedoch einer von uns etwas zu viel intus und schnitt sich außerdem an dem Glas seiner Sonnenbrille, wobei er noch ein wenig kollabiert ist. Aber alles halb so schlimm, wie es sich anhört. Tags darauf ging es nach kleinem Zwischenfall mit dem Vermieter, da er nicht so richtig zufrieden mit dem von ihm angebotenen Preis war, um die Insel. Sichtlich verkatert und wegen des trüben Wetters ging es mit dem Auto durch die Pampa nach Edessa, wo wir den besten griechischen Crêpe und nebenbei auch noch die Wasserfälle genießen konnten. Ein wirklich perfekter erster Ausflug in Griechenland!
P.S.: Da hier diese Woche zwei Feiertage sind, habe ich ausschließlich am Montag Uni. Deswegen geht es Dienstagnacht binnen von 10Stunden mit dem Bus nach Istanbul bis Sonntagmorgen. Also bin ich auch diese Woche nicht wirklich am studieren.
[P.P.S.: Am Sonntag den 18.12. bin ich wieder in Chemnitz!!!!]
Montag, 24. Oktober 2011
Nachtrag
In Deutschland hat es wohl nur Berichte aus Athen gegeben. Jedoch ist wohl in Thessaloniki eine Person ums Leben gekommen. Wie das passiert ist weiß ich leider nicht. Aber ich kann versichern, dass Athen zurzeit sehr extrem ist und ich werde meinen Ausflug dahin erst einmal verschieben.
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Stillstand. Tag 1
Zwei Tage Generalstreik warteten uns also auf mich. Zum Glück waren die meisten Geschäfte außerhalb der City geöffnet und auch die meisten Cafés hatten geöffnet. Wie auch in Athen hatten viele Geschäfte weniger aus Solidarität mit den Demonstranten geschlossen als vielmehr aus der Angst, dass Schaufenster und noch mehr zu Bruch gehen. Den großen Demonstrationszug habe ich leider buchstäblich verpennt.
Das Scharmützel zwischen Polizei und Schwarzem Block habe ich dann aus nächster Nähe verfolgen dürfen. Der Müll der sich auf eine furchtbar ekelerregende Weise immer breiter stapelt wurde kurzerhand in Brand gesetzt. Dementsprechend hat es dann auch gerochen. Die schwarz vermummten Demonstranten haben sich dann auf das Unigelände zurückgezogen, nachdem die Polizei mit Gummigeschossen geantwortet hatte. Leider hatte ich da noch nicht die Courage die Kamera zu zücken. Seit der Militärdiktatur in den 70er Jahren ist es Polizisten verboten den Campus der Unis zu betreten. Die Folge waren also duzende fliegende Steine, die über den Zaun des Campus hinweg in Richtung Polizei geworfen wurden. Steine in die eine Richtung - Tränengas in die andere. Ich hielt mich in ziemlicher Nähe auf und es war auch irgendwie irre spannend. Die Feuerwehr, die endlich die bestialisch stinkenden Müllhaufen beseitigen wollte, hat dann auch noch ein paar Salven Pflastersteine abbekommen. Als der Spuk sein Ende genommen und der Qualm sich gelegt hatte, bin dann in Richtung Campus gelaufen, vorbei an zerborstenen Autoscheiben. Andere Erasmus-Studenten erzählten mir dann von einer mittelschweren Verwüstung auf der Haupteinkaufsstraße.
Mal sehen was der morgige Tag bringt. Immerhin geht‘s Freitag in die Natur!
Das Scharmützel zwischen Polizei und Schwarzem Block habe ich dann aus nächster Nähe verfolgen dürfen. Der Müll der sich auf eine furchtbar ekelerregende Weise immer breiter stapelt wurde kurzerhand in Brand gesetzt. Dementsprechend hat es dann auch gerochen. Die schwarz vermummten Demonstranten haben sich dann auf das Unigelände zurückgezogen, nachdem die Polizei mit Gummigeschossen geantwortet hatte. Leider hatte ich da noch nicht die Courage die Kamera zu zücken. Seit der Militärdiktatur in den 70er Jahren ist es Polizisten verboten den Campus der Unis zu betreten. Die Folge waren also duzende fliegende Steine, die über den Zaun des Campus hinweg in Richtung Polizei geworfen wurden. Steine in die eine Richtung - Tränengas in die andere. Ich hielt mich in ziemlicher Nähe auf und es war auch irgendwie irre spannend. Die Feuerwehr, die endlich die bestialisch stinkenden Müllhaufen beseitigen wollte, hat dann auch noch ein paar Salven Pflastersteine abbekommen. Als der Spuk sein Ende genommen und der Qualm sich gelegt hatte, bin dann in Richtung Campus gelaufen, vorbei an zerborstenen Autoscheiben. Andere Erasmus-Studenten erzählten mir dann von einer mittelschweren Verwüstung auf der Haupteinkaufsstraße.
Mal sehen was der morgige Tag bringt. Immerhin geht‘s Freitag in die Natur!
Montag, 17. Oktober 2011
Die Krise.
Zunächst die Erasmus-Krise: Nachdem die O-Woche nun endlich vorbei ist, klagen viele Studenten über Kopfschmerzen und leere Geldbeutel. Einige, wie mich zum Beispiel, hat es sogar mit einer Erkältung niedergerafft- der sogenannten „Freshers Flue“. Langsam kehrt die innere Erkenntnis ein doch mal einen Gang runter zu schalten; "das war vielleicht doch ein wenig zu viel" – ist in diesem Sinne aber nichts, was man bereuen müsste. Das Wetter hat sich auch zusehends verschlechtert: Dauerregen mit 8-9 Grad und keine Sonne für fast eine Woche. Ein wirklich unhaltbarer Zustand, aber man bekommt nun mehr Aufmerksamkeit fürs wesentliche: Studium und Pläneschmieden. Frei nach der Herr der Ringe: „wir entscheiden selbst, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist". Im Klartext heißt das, dass wir uns nächstes Wochenende ein Auto mieten werden und an die griechisch-mazedonisch-albanische Grenze in die unberührte Natur fahren werden. In der Woche darauf gibt es insgesamt zwei Feiertage zu zelebrieren und da geht es wohl in Richtung Istanbul, vielleicht aber auch mit der Fähre auf eine schöne Insel. Mal sehen!
Nun zur großen Krise: Anfangs habe ich behauptet man merkt nicht viel von der kritischen Situation, in der das Land steckt. Nur punktuell hatte man etwas davon mitbekommen. Besetzte Fakultäten und hin und wieder ein Studentenstreik, keine startenden und ladenden Flugzeuge und kleine Müllberge in den Straßen, so etwas eben. Vom ersten Generalstreik habe ich quasi nichts mitbekommen. Nun mehren sich allerdings die Gerüchte und die Nachrichten, dass sich die Lage in den nächsten Wochen zuspitzen wird. Nicht nur, dass die Müllberge unglaubliche Ausmaße annehmen und es wirklich anfängt zu stinken in den Straßen- diese Woche wird es wohl die größten Protestwellen geben und ich danke jeder höheren Macht, dass ich im vergleichsweise ruhigen Thessaloniki und nicht im Irrenhaus Athen bin! Am Mittwoch und am Donnerstag wird angeblich jeder Berufssektor die Arbeit niederlegen- also Ärzte, Piloten, Busfahrer, städtische Angestellte. Zudem sollen alle Geschäfte schließen- sogar Supermärkte, obwohl das unter Strafe gestellt ist. Ich werde mir das mal näher anschauen, da ich ohnehin keine Kurse haben werde. Da nächste Woche Feiertage sind, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass an diesen Tagen der griechische Staatsbankrott verkündet wird, weil die Börsen geschlossen sind und somit hier niemand panisch seine Wertpapiere verschleudern oder sein Geld von den Banken holt, denke ich. Keine Ahnung, was das für einen persönlich bedeuten würde. Mein Geld liegt ja in Deutschland, aber für die Leute hier ist das natürlich denkbar schlecht.
Griechenland ist kein besonders armes Land, besonders wohlhabend ist aber lediglich eine dünne Schicht. Die Mittelklasse lebt von der Hand in den Mund. Für das Geld, das sie verdienen, haben sie auffallend viele Wertgüter. Die MacBook- und iPhone-Dichte hier ist geradezu lächerlich hoch. Das Kartenhaus bricht zwar nicht erst seit heute zusammen, aber man sieht die Müdigkeit und die fehlende Perspektive in den Gesichtern der Leute. Es wirkt wie Endzeitstimmung. Wenn man mit griechischen Studenten spricht, dann heißt es meistens "nur weg von hier“.
Der Großteil der vom Staat angestellten Beamten soll ja entlassen werden. In Griechenland bedeutet das, dass auch Ärzte zum 1.1.2012 ihren Hut nehmen müssen. Die meisten Medizinstudenten lernen schon jetzt fieberhaft Deutsch, Schwedisch oder Norwegisch.
Ich bin kein Experte und ich mag mir daher kein Urteil erlauben. Dennoch: Es scheint, als wenn die einen nicht könnten und die anderen nicht wollten. Quo vadis Graecia?
Nun zur großen Krise: Anfangs habe ich behauptet man merkt nicht viel von der kritischen Situation, in der das Land steckt. Nur punktuell hatte man etwas davon mitbekommen. Besetzte Fakultäten und hin und wieder ein Studentenstreik, keine startenden und ladenden Flugzeuge und kleine Müllberge in den Straßen, so etwas eben. Vom ersten Generalstreik habe ich quasi nichts mitbekommen. Nun mehren sich allerdings die Gerüchte und die Nachrichten, dass sich die Lage in den nächsten Wochen zuspitzen wird. Nicht nur, dass die Müllberge unglaubliche Ausmaße annehmen und es wirklich anfängt zu stinken in den Straßen- diese Woche wird es wohl die größten Protestwellen geben und ich danke jeder höheren Macht, dass ich im vergleichsweise ruhigen Thessaloniki und nicht im Irrenhaus Athen bin! Am Mittwoch und am Donnerstag wird angeblich jeder Berufssektor die Arbeit niederlegen- also Ärzte, Piloten, Busfahrer, städtische Angestellte. Zudem sollen alle Geschäfte schließen- sogar Supermärkte, obwohl das unter Strafe gestellt ist. Ich werde mir das mal näher anschauen, da ich ohnehin keine Kurse haben werde. Da nächste Woche Feiertage sind, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass an diesen Tagen der griechische Staatsbankrott verkündet wird, weil die Börsen geschlossen sind und somit hier niemand panisch seine Wertpapiere verschleudern oder sein Geld von den Banken holt, denke ich. Keine Ahnung, was das für einen persönlich bedeuten würde. Mein Geld liegt ja in Deutschland, aber für die Leute hier ist das natürlich denkbar schlecht.
Griechenland ist kein besonders armes Land, besonders wohlhabend ist aber lediglich eine dünne Schicht. Die Mittelklasse lebt von der Hand in den Mund. Für das Geld, das sie verdienen, haben sie auffallend viele Wertgüter. Die MacBook- und iPhone-Dichte hier ist geradezu lächerlich hoch. Das Kartenhaus bricht zwar nicht erst seit heute zusammen, aber man sieht die Müdigkeit und die fehlende Perspektive in den Gesichtern der Leute. Es wirkt wie Endzeitstimmung. Wenn man mit griechischen Studenten spricht, dann heißt es meistens "nur weg von hier“.
Der Großteil der vom Staat angestellten Beamten soll ja entlassen werden. In Griechenland bedeutet das, dass auch Ärzte zum 1.1.2012 ihren Hut nehmen müssen. Die meisten Medizinstudenten lernen schon jetzt fieberhaft Deutsch, Schwedisch oder Norwegisch.
Ich bin kein Experte und ich mag mir daher kein Urteil erlauben. Dennoch: Es scheint, als wenn die einen nicht könnten und die anderen nicht wollten. Quo vadis Graecia?
Montag, 10. Oktober 2011
ESN-Promo-Video für und von griechischen Erasmus-Studenten
Ein nettes Werbevideo von ehemaligen griechischen Erasmus-Studenten. Bei 1:35 seht ihr Eri, meine Buddy-Studentin. Außerdem gibt es ein paar schöne Sequenzen vom Campus und der Stadt!
The End of Summer
[Zuerst möchte ich mich bei ein paar Leuten entschuldigen, die ich gestern plötztlich verlassen musste - besonders bei Fine. Der Internetzugang in meiner WG ist buchstäblich ein nicht-Permanter. Der Kredit auf dem Internet-Stick war erschöpft, weshalb Arthur und ich diese Woche nach einer anderen, billigeren, schnelleren und dauerhafteren Lösung recherchieren. Aber es war wirklich ein Fest mit euch zu skypen!]
Es hat nun endlich aufgehört zu regnen. Wirklich. Wenn es in Griechenland regnet, dann bewerkstelligt Äolus keine halben Sachen. Zusätzlich macht es einen auch irgendwie missmutig, da man das Gefühl hat, dass sich nun der Sommer dem Ende neigt. Dennoch habe ich mich heute Morgen um 8 aus dem Bett gequält, um einmal mehr einen Jura-Kurs zu besuchen. Dieser auf Politikwissenschaft aufbauende Kurs, war eine regelrechte Erfrischung. Ein ausgezeichneter Professor mittleren Alters, von dem sich mancher in Chemnitz etwas abschneiden könnte. Die Wörter "we try to apply knowledge" und "look forward to find out to which theory you belong" hallen immer noch wohlklingend in meinen Ohren wider. Ein wahrer Genuss und auch eine Herausforderung. Endlich!
Voller Halbeuphorie sitze ich nun im Starbucks und versuche, via Mail Professoren von Journalismus und Politikwissenschaft anzubetteln, dass ich irgendwie an deren Kursen teilnehmen kann. Die Halbeuphorie mischt sich allmählich mit Halbzuversicht. Denn man sollte realistisch bleiben und nicht zu sehr auf ein Happy-End, alias Wunder von Thessaloniki hoffen.
Diese Woche wird eine arbeitsame. Wenn Sie vorbei ist, kann es endlich richtig losgehen. Als Erasmus-Student hat man einige Mentalitätsprobleme. Man ist zwar angekommen und fühlt sich irgendwie auch zu Hause, aber dennoch als Fremdpartikel in einem universitären Mikrokosmos.
Ich versuche weiterhin regelmäßig zu schreiben und ich denke mir gehen die Schreibideen auch nicht sobald verloren.
P.S.: Derzeit spiele ich mit dem Gedanken über Weihnachten hierzubleiben bzw. im neuen Jahr hierher zurückzukehren. Dies hat einerseits damit zu tun, dass die Prüfungen Mitte Januar stattfinden und dass ich andererseits so ziemlich der einzige bin, der eher aufhört - typisch deutsch irgendwie. Uns fehlt manchmal das Genießergen, das die Franzosen bspw. besitzen (die sind nämlich alle für ein Jahr hier). Ich werde daher bald eine Entscheidung treffen.
Es hat nun endlich aufgehört zu regnen. Wirklich. Wenn es in Griechenland regnet, dann bewerkstelligt Äolus keine halben Sachen. Zusätzlich macht es einen auch irgendwie missmutig, da man das Gefühl hat, dass sich nun der Sommer dem Ende neigt. Dennoch habe ich mich heute Morgen um 8 aus dem Bett gequält, um einmal mehr einen Jura-Kurs zu besuchen. Dieser auf Politikwissenschaft aufbauende Kurs, war eine regelrechte Erfrischung. Ein ausgezeichneter Professor mittleren Alters, von dem sich mancher in Chemnitz etwas abschneiden könnte. Die Wörter "we try to apply knowledge" und "look forward to find out to which theory you belong" hallen immer noch wohlklingend in meinen Ohren wider. Ein wahrer Genuss und auch eine Herausforderung. Endlich!
Voller Halbeuphorie sitze ich nun im Starbucks und versuche, via Mail Professoren von Journalismus und Politikwissenschaft anzubetteln, dass ich irgendwie an deren Kursen teilnehmen kann. Die Halbeuphorie mischt sich allmählich mit Halbzuversicht. Denn man sollte realistisch bleiben und nicht zu sehr auf ein Happy-End, alias Wunder von Thessaloniki hoffen.
Diese Woche wird eine arbeitsame. Wenn Sie vorbei ist, kann es endlich richtig losgehen. Als Erasmus-Student hat man einige Mentalitätsprobleme. Man ist zwar angekommen und fühlt sich irgendwie auch zu Hause, aber dennoch als Fremdpartikel in einem universitären Mikrokosmos.
Ich versuche weiterhin regelmäßig zu schreiben und ich denke mir gehen die Schreibideen auch nicht sobald verloren.
P.S.: Derzeit spiele ich mit dem Gedanken über Weihnachten hierzubleiben bzw. im neuen Jahr hierher zurückzukehren. Dies hat einerseits damit zu tun, dass die Prüfungen Mitte Januar stattfinden und dass ich andererseits so ziemlich der einzige bin, der eher aufhört - typisch deutsch irgendwie. Uns fehlt manchmal das Genießergen, das die Franzosen bspw. besitzen (die sind nämlich alle für ein Jahr hier). Ich werde daher bald eine Entscheidung treffen.
Samstag, 8. Oktober 2011
απολογία
Alright. Die erste richtige Woche in Thessaloniki neigt sich dem Ende. Mein Kopf platzt allmählich wegen den zig Namen und den dazugehörigen Gesichtern, die es sich zu merken gilt. So langsam beginnt sich ein harter Kern des Freundeskreises zu formieren. Er besteht im Großen und Ganzen aus dem Matsi-Wohnheim und einer Reihe von WG’s die über die ganze Stadt verteilt sind. Nervig ist, dass sich ziemlich zeitig nach Sprachen getrennte Gruppen gebildet haben. Es gibt slowakische, tschechische und lettische Frauencliquen und eine riesige gemischte Franzosengruppierung. Natürlich können sie es nicht lassen und unterhalten sich gerne über zehn Minuten hinweg ausschließlich auf Französisch. Das ist manchmal ganz witzig, aber man kann einfach nicht folgen. Was mich allerdings überrascht hat, ist der Fakt, dass anscheinend jeder Erasmus-Student hier mindestens zwei Jahre Deutsch in der Schule hatte. Viele von ihnen, die ich bisher getroffen habe, konnten mir etwas Schönes auf Deutsch dichten.
Da die Uni immer noch bestreikt wird, mir die Jura-Vorlesungen nicht wirklich nützlich erscheinen und es einfach derbe heiß gewesen ist diese Woche, war ich ein paar Mal am Strand. Man braucht mit dem Bus fast eine Stunde und der Strand ist auch nicht der, den man von Griechenland kennt. Aber in einer Gruppe von 10-20 Mann den ganzen Tag einfach nichts zu machen, außer zu baden, sich zu Sonnen und Volleyball zu spielen, hat was für sich. Da man sich langsam besser kennen lernt, kommen auch die intimeren Themen zu Sprache. Anscheinend haben gut 50% der Erasmus-Studenten einen festen Partner zu Hause. Das ist gut für mich, weil dadurch die Konkurrenz ausgeschaltet ist (…), andererseits, zeigen sich manche doch ein wenig übervorsichtig gegenüber Single-Männern/ - Frauen. Es verhindert dennoch nicht den Zustand eines fortwährenden romantischen Knisterns von Zeit zu Zeit.
Natürlich standen wieder jede Menge Partys an, an die ich nicht wirklich teilgenommen hab, weil der Körper auch mal einen Abend Ruhe braucht! Die Pre-Party am Mittwoch in der Bude eines Deutschen Maschinenbauers endete mit dem Besuch der Polizei und den hysterischen Fluchen dreier alter Damen, die in der Wohnung nebenan wohnen. Aus den 15 eingeladenen Leuten wurden am Ende nämlich 30-35. Die Griechen sind ziemlich sensibel, wenn es um ihre Nachtruhe geht. Bestes Beispiel dafür ist auch der BBQ, zu dem ich am Freitagabend eingeladen habe. Um 12 kamen die ersten Beschwerden. Schlussendlich haben wir den ganzen Alkohol zusammengekratzt und sind zur Promenade und später zum Campus gewatschelt. Vor dem meteorologischen Institut gab es dann Open Air Drum‘n Bass auf die Ohren, bis um 6. Dadurch habe ich am Tag darauf auch den nächsten Strandtag verpasst. Ich habe die Zeit aber genutzt und traf mich mit meinem Buddy (Paten). Meine Zahnfee ist Eri, eine äußerst, äußerst liebe Griechin, die ein Jahr mit Erasmus in Frankfurt/ a. M. Politikwissenschaften studiert hatte und daher recht gut Deutsch spricht. Angenehm für mich, der es, mit einem Hangover unter der Schädeldecke, genossen hat mal in Deutsch zu plaudern. Jedenfalls hilft sie mir, mein Kurschaos in den Griff zu kriegen. Und da ich leider keinen Platz in einem der Griechischkurse abgekommen habe, werde ich nun ein wenig Jura, ein wenig Powi und vielleicht ein wenig Journalismus studieren.
Jetzt fängt es langsam an sich einzuregnen draußen. Nächstes Mal gibt es wieder geistreichere Themen. Versprochen. Peace.
Da die Uni immer noch bestreikt wird, mir die Jura-Vorlesungen nicht wirklich nützlich erscheinen und es einfach derbe heiß gewesen ist diese Woche, war ich ein paar Mal am Strand. Man braucht mit dem Bus fast eine Stunde und der Strand ist auch nicht der, den man von Griechenland kennt. Aber in einer Gruppe von 10-20 Mann den ganzen Tag einfach nichts zu machen, außer zu baden, sich zu Sonnen und Volleyball zu spielen, hat was für sich. Da man sich langsam besser kennen lernt, kommen auch die intimeren Themen zu Sprache. Anscheinend haben gut 50% der Erasmus-Studenten einen festen Partner zu Hause. Das ist gut für mich, weil dadurch die Konkurrenz ausgeschaltet ist (…), andererseits, zeigen sich manche doch ein wenig übervorsichtig gegenüber Single-Männern/ - Frauen. Es verhindert dennoch nicht den Zustand eines fortwährenden romantischen Knisterns von Zeit zu Zeit.
Natürlich standen wieder jede Menge Partys an, an die ich nicht wirklich teilgenommen hab, weil der Körper auch mal einen Abend Ruhe braucht! Die Pre-Party am Mittwoch in der Bude eines Deutschen Maschinenbauers endete mit dem Besuch der Polizei und den hysterischen Fluchen dreier alter Damen, die in der Wohnung nebenan wohnen. Aus den 15 eingeladenen Leuten wurden am Ende nämlich 30-35. Die Griechen sind ziemlich sensibel, wenn es um ihre Nachtruhe geht. Bestes Beispiel dafür ist auch der BBQ, zu dem ich am Freitagabend eingeladen habe. Um 12 kamen die ersten Beschwerden. Schlussendlich haben wir den ganzen Alkohol zusammengekratzt und sind zur Promenade und später zum Campus gewatschelt. Vor dem meteorologischen Institut gab es dann Open Air Drum‘n Bass auf die Ohren, bis um 6. Dadurch habe ich am Tag darauf auch den nächsten Strandtag verpasst. Ich habe die Zeit aber genutzt und traf mich mit meinem Buddy (Paten). Meine Zahnfee ist Eri, eine äußerst, äußerst liebe Griechin, die ein Jahr mit Erasmus in Frankfurt/ a. M. Politikwissenschaften studiert hatte und daher recht gut Deutsch spricht. Angenehm für mich, der es, mit einem Hangover unter der Schädeldecke, genossen hat mal in Deutsch zu plaudern. Jedenfalls hilft sie mir, mein Kurschaos in den Griff zu kriegen. Und da ich leider keinen Platz in einem der Griechischkurse abgekommen habe, werde ich nun ein wenig Jura, ein wenig Powi und vielleicht ein wenig Journalismus studieren.
Jetzt fängt es langsam an sich einzuregnen draußen. Nächstes Mal gibt es wieder geistreichere Themen. Versprochen. Peace.
Montag, 3. Oktober 2011
Der Alltag beginnt (?)
Wie bei vielen Gelegenheiten im Leben so entpuppt sich auch während eines Auslandsaufenthaltes mit integriertem Studium auch diese Wahrheit: Nach einem Hoch kommt ein Tal, nach diesem Tal ein Hoch, usw. Der Sonntag gehört eindeutig zu den Hochs. Das erste große Treffen mit Erasmusstudenten (Spanier, Franzosen, Deutsche, Polen, Belgiern, Iren, Italienern und täglich kommen neue hinzu). Es war echt spannend und nett zugleich. Wie auch zu Hause kommt man mit manchen sofort klar (z.B. Romain aus Rennes), mit anderen jedoch weniger (d.h. zähe Gespräche bzw. Ausschweigen). Das Feld der Erasmus-Studenten ist echt bunt gemischt. Vom Über-Nerd bis zum Sunny-Boy ist alles Vertreten. Auffällig sind besonders die „Hibbeligen“ unter ihnen. Nach einer kurzen Bootstour durch das Hafenbecken folgte Spaziergang und Taverne. Am Ende kratzten im hiesigen Wohnheim alle Bewohner ihre Reste für die Gäste zusammen, die sie erst seit einem halben Tag kannten. Auch das ist Erasmus! Heute dagegen das mächtige Tal- und andere Politikwissenschaftler im Ausland können davon ein Lied singen. Gerade mal einen einzigen Kurs bieten die Damen und Herren der PoWi hier in Englisch an, was mich dazu nötigt auf Jura, auch bekannt als „Recht“, auszuweichen. Die erste Einheit heute war von dementsprechender Motivation gekennzeichnet. Es bot mir allerdings einen netten Einblick in die Spezies „Juristen“. Ein Urteil ist zu diesem Zeitpunkt etwas vorschnell. Die zwei Wissenschaftlerinnen dieses Kurses waren dennoch sehr nett zu mir und wir versuchten irgendwie einen neuen Stundenplan für mich zusammenzufriemeln. Nächste Woche kehrt endlich der für mich verantwortliche Tutor zurück und im besten Falle bekomme ich 1-2 sogenannte „private tutorials“, also Privatstunden im wahrsten Sinne des Wortes. Weniger aus Langeweile aber mehr aus Neugier treffe ich mich Ende der Woche mit einem „buddy“, also ein/eine StudentIn, die sich um ihre ausländischen Zöglinge (nicht ganz uneigennützig) kümmert. Mein Buddy wird Eri sein, eine griechische Studentin, die mich mit fehlerfreiem Deutsch kontaktiert hatte. Ich bin sehr gespannt/ I’m really excited, though! Vielleicht kriege ich eine nette Geschichte über die Streiks zu hören.
Die kommenden Tage werden also ein Ringen um einen vernünftigen Stundenplan und ein Kampf um Ausnahmeregelungen für einen einzelnen PoWi aus Karl-Marx-Stadt. Die Zeit werde ich mir aber erst einmal mit den „French Guys“ vertreiben, die mir echt sympathisch sind, da ich mir oft wie ihr Englischlehrer vorkomme. :)

Meine beiden Mitbewohner

Boat Trip
Die kommenden Tage werden also ein Ringen um einen vernünftigen Stundenplan und ein Kampf um Ausnahmeregelungen für einen einzelnen PoWi aus Karl-Marx-Stadt. Die Zeit werde ich mir aber erst einmal mit den „French Guys“ vertreiben, die mir echt sympathisch sind, da ich mir oft wie ihr Englischlehrer vorkomme. :)

Meine beiden Mitbewohner

Boat Trip
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