Montag, 17. Oktober 2011

Die Krise.

Zunächst die Erasmus-Krise: Nachdem die O-Woche nun endlich vorbei ist, klagen viele Studenten über Kopfschmerzen und leere Geldbeutel. Einige, wie mich zum Beispiel, hat es sogar mit einer Erkältung niedergerafft- der sogenannten „Freshers Flue“. Langsam kehrt die innere Erkenntnis ein doch mal einen Gang runter zu schalten; "das war vielleicht doch ein wenig zu viel" – ist in diesem Sinne aber nichts, was man bereuen müsste. Das Wetter hat sich auch zusehends verschlechtert: Dauerregen mit 8-9 Grad und keine Sonne für fast eine Woche. Ein wirklich unhaltbarer Zustand, aber man bekommt nun mehr Aufmerksamkeit fürs wesentliche: Studium und Pläneschmieden. Frei nach der Herr der Ringe: „wir entscheiden selbst, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist". Im Klartext heißt das, dass wir uns nächstes Wochenende ein Auto mieten werden und an die griechisch-mazedonisch-albanische Grenze in die unberührte Natur fahren werden. In der Woche darauf gibt es insgesamt zwei Feiertage zu zelebrieren und da geht es wohl in Richtung Istanbul, vielleicht aber auch mit der Fähre auf eine schöne Insel. Mal sehen!

Nun zur großen Krise: Anfangs habe ich behauptet man merkt nicht viel von der kritischen Situation, in der das Land steckt. Nur punktuell hatte man etwas davon mitbekommen. Besetzte Fakultäten und hin und wieder ein Studentenstreik, keine startenden und ladenden Flugzeuge und kleine Müllberge in den Straßen, so etwas eben. Vom ersten Generalstreik habe ich quasi nichts mitbekommen. Nun mehren sich allerdings die Gerüchte und die Nachrichten, dass sich die Lage in den nächsten Wochen zuspitzen wird. Nicht nur, dass die Müllberge unglaubliche Ausmaße annehmen und es wirklich anfängt zu stinken in den Straßen- diese Woche wird es wohl die größten Protestwellen geben und ich danke jeder höheren Macht, dass ich im vergleichsweise ruhigen Thessaloniki und nicht im Irrenhaus Athen bin! Am Mittwoch und am Donnerstag wird angeblich jeder Berufssektor die Arbeit niederlegen- also Ärzte, Piloten, Busfahrer, städtische Angestellte. Zudem sollen alle Geschäfte schließen- sogar Supermärkte, obwohl das unter Strafe gestellt ist. Ich werde mir das mal näher anschauen, da ich ohnehin keine Kurse haben werde. Da nächste Woche Feiertage sind, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass an diesen Tagen der griechische Staatsbankrott verkündet wird, weil die Börsen geschlossen sind und somit hier niemand panisch seine Wertpapiere verschleudern oder sein Geld von den Banken holt, denke ich. Keine Ahnung, was das für einen persönlich bedeuten würde. Mein Geld liegt ja in Deutschland, aber für die Leute hier ist das natürlich denkbar schlecht.

Griechenland ist kein besonders armes Land, besonders wohlhabend ist aber lediglich eine dünne Schicht. Die Mittelklasse lebt von der Hand in den Mund. Für das Geld, das sie verdienen, haben sie auffallend viele Wertgüter. Die MacBook- und iPhone-Dichte hier ist geradezu lächerlich hoch. Das Kartenhaus bricht zwar nicht erst seit heute zusammen, aber man sieht die Müdigkeit und die fehlende Perspektive in den Gesichtern der Leute. Es wirkt wie Endzeitstimmung. Wenn man mit griechischen Studenten spricht, dann heißt es meistens "nur weg von hier“.
Der Großteil der vom Staat angestellten Beamten soll ja entlassen werden. In Griechenland bedeutet das, dass auch Ärzte zum 1.1.2012 ihren Hut nehmen müssen. Die meisten Medizinstudenten lernen schon jetzt fieberhaft Deutsch, Schwedisch oder Norwegisch.

Ich bin kein Experte und ich mag mir daher kein Urteil erlauben. Dennoch: Es scheint, als wenn die einen nicht könnten und die anderen nicht wollten. Quo vadis Graecia?

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