Samstag, 8. Oktober 2011

απολογία

Alright. Die erste richtige Woche in Thessaloniki neigt sich dem Ende. Mein Kopf platzt allmählich wegen den zig Namen und den dazugehörigen Gesichtern, die es sich zu merken gilt. So langsam beginnt sich ein harter Kern des Freundeskreises zu formieren. Er besteht im Großen und Ganzen aus dem Matsi-Wohnheim und einer Reihe von WG’s die über die ganze Stadt verteilt sind. Nervig ist, dass sich ziemlich zeitig nach Sprachen getrennte Gruppen gebildet haben. Es gibt slowakische, tschechische und lettische Frauencliquen und eine riesige gemischte Franzosengruppierung. Natürlich können sie es nicht lassen und unterhalten sich gerne über zehn Minuten hinweg ausschließlich auf Französisch. Das ist manchmal ganz witzig, aber man kann einfach nicht folgen. Was mich allerdings überrascht hat, ist der Fakt, dass anscheinend jeder Erasmus-Student hier mindestens zwei Jahre Deutsch in der Schule hatte. Viele von ihnen, die ich bisher getroffen habe, konnten mir etwas Schönes auf Deutsch dichten.
Da die Uni immer noch bestreikt wird, mir die Jura-Vorlesungen nicht wirklich nützlich erscheinen und es einfach derbe heiß gewesen ist diese Woche, war ich ein paar Mal am Strand. Man braucht mit dem Bus fast eine Stunde und der Strand ist auch nicht der, den man von Griechenland kennt. Aber in einer Gruppe von 10-20 Mann den ganzen Tag einfach nichts zu machen, außer zu baden, sich zu Sonnen und Volleyball zu spielen, hat was für sich. Da man sich langsam besser kennen lernt, kommen auch die intimeren Themen zu Sprache. Anscheinend haben gut 50% der Erasmus-Studenten einen festen Partner zu Hause. Das ist gut für mich, weil dadurch die Konkurrenz ausgeschaltet ist (…), andererseits, zeigen sich manche doch ein wenig übervorsichtig gegenüber Single-Männern/ - Frauen. Es verhindert dennoch nicht den Zustand eines fortwährenden romantischen Knisterns von Zeit zu Zeit.
Natürlich standen wieder jede Menge Partys an, an die ich nicht wirklich teilgenommen hab, weil der Körper auch mal einen Abend Ruhe braucht! Die Pre-Party am Mittwoch in der Bude eines Deutschen Maschinenbauers endete mit dem Besuch der Polizei und den hysterischen Fluchen dreier alter Damen, die in der Wohnung nebenan wohnen. Aus den 15 eingeladenen Leuten wurden am Ende nämlich 30-35. Die Griechen sind ziemlich sensibel, wenn es um ihre Nachtruhe geht. Bestes Beispiel dafür ist auch der BBQ, zu dem ich am Freitagabend eingeladen habe. Um 12 kamen die ersten Beschwerden. Schlussendlich haben wir den ganzen Alkohol zusammengekratzt und sind zur Promenade und später zum Campus gewatschelt. Vor dem meteorologischen Institut gab es dann Open Air Drum‘n Bass auf die Ohren, bis um 6. Dadurch habe ich am Tag darauf auch den nächsten Strandtag verpasst. Ich habe die Zeit aber genutzt und traf mich mit meinem Buddy (Paten). Meine Zahnfee ist Eri, eine äußerst, äußerst liebe Griechin, die ein Jahr mit Erasmus in Frankfurt/ a. M. Politikwissenschaften studiert hatte und daher recht gut Deutsch spricht. Angenehm für mich, der es, mit einem Hangover unter der Schädeldecke, genossen hat mal in Deutsch zu plaudern. Jedenfalls hilft sie mir, mein Kurschaos in den Griff zu kriegen. Und da ich leider keinen Platz in einem der Griechischkurse abgekommen habe, werde ich nun ein wenig Jura, ein wenig Powi und vielleicht ein wenig Journalismus studieren.
Jetzt fängt es langsam an sich einzuregnen draußen. Nächstes Mal gibt es wieder geistreichere Themen. Versprochen. Peace.

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