Montag, 28. November 2011
Herbst ist da
Eine wieder einmal durchlebte Woche liegt hinter mir:
Ausflug nach Ioannina & Metsovo:
Nach dem ereignisreichen Trip nach Athos, zog ich es vor, mich zurückzulehnen und einen vom ESN (European Student Network)- Thessaloniki organisierten Ausflug zu frönen. Dies geschah höchst spontan und meine einzige bekannte Begleitung war Maija aus Lettland. Im Bus waren mir ca. 90% der Leute gänzlich unbekannt, was ein erneutes Indiz ist, wie viele Erasmus-Studenten in Thessaloniki leben.
Ganz gemütlich ging es also in die Berge Nordgriechenlands nach Ioannina- eine mittelgroße Stadt mit einem mittelgroßen See und mittelgroßen Bars, in denen ich meinen ersten Abend verbrachte. Neben einer nicht allzu spannenden archäologischen Stätte und einer großzügigen Stadterkundung, ging es des späten nachmittags auf die idyllische Insel inmitten des schon angesprochenen mittelgroßen Sees. Da es kalt, jedoch auch sonnig war, fand ich mich wieder, wie ich alleine die Insel umrundete. Dabei nahm ich wirklich gelungen Bilder auf, die ihr wie immer auf meinem FB-Profil anschauen könnt :)
Auf der Rückfahrt zum Hotel waren alle querlängs durchgefroren und keiner hatte Lust die 20min von schräg nach links (also vom Hotel zur Innenstadt) zu laufen, um die Bars wieder mit seinen Euros zu Füttern wie die Tiere im Streichelzoo.
Daher kam einer unserer "Lehrer" auf die Idee "let's go to Lidl to buy some cheap alcohol". So kam es dann auch und es war ein Gelage, wie man es zuletzt in der Jugendherberge mit Hinz und Kunz durchlebt hat. Dem Hangover am nächsten Morgen begegnete ich mit Sonnenbrille und einem fröhlichen "Kalimera!", als ich das Frühstücksbuffet betrat.
Danach ging es also nach Metsovo. Einer süßen Bergstadt inmitten von Braunbären, Waldbeeren und Skigebieten. Die Stadt war trotz des Bombenwetters ein verräuchertes Elend. Denn an allen Ecken und Enden wurden riesige Slouvaki-Spieße gegrillt. Natürlich hab ich es mir nicht nehmen lassen, mir jene schmecken zu lassen. Nach einem mittelkurzen, zweisamen Spaziergang durch die Stadt waren wir auch schon wieder in Thessaloniki.
Nächster Trip: Mazedonien oder Athen.
Party-Schedule, Kalenderwoche 51:
Ich denke, es ist mal ganz interessant aufzuzeigen, welchen Anforderungen an das Nachtleben ich hier ausgesetzt bin.
1) Mittwoch: Wohnheimparty in Kassandrou. Die erste Wohnheimparty in Kassandrou stand eigentlich unter keinem guten Stern. Denn die Bewohner kennen sich gegenseitig so gut wie gar nicht! Die meisten haben ein Einzelzimmer; eine gemeinsame Küche o.Ä. gibt es auch nicht! Trotzdem waren auf der offiziellen FB-Einladung ca. 40 Leute eingeladen - am Ende waren es gut 80. Zuerst glühte man bei Daan, unserem allerliebsten Entertainer aus Holland, vor. Dann stellte man sich ins Treppenhaus, weil eben besagtes Gemeinschaftszimmer nicht vorhanden war. Mit steigendem Pegel wurde die Party zusehends nach draußen verlagert. Das Erklimmen eines geparkten, weißen Vans (der sich am nächsten Tag als gut getarnter Leichenwagen herausstellte) und eine großanlegte Kissenschlacht folgten. Da meine besten Freunde es vorzogen sich eine weibliche Begleitung für die Nacht zu verschaffen. Ging ich mit Yoann und weiteren bemerkenswert sympathischen Franzosen ins sogenannte "Basement". Diesen perfekt ausgestatteten Party-Keller hatte ein Grieche für Erasmusstudenten eingerichtet, da er seinen eigenen „Erasmus Spirit“ am Leben halten wollte. Er, nun gut 40, war vor 15 Jahren selbst in Spanien und fand es so klasse, dass er nun Kicker, Musikanlage, Fernseher und Bier (für 75Cent, mit Ouzo-Schuss 1€) feilbietet.
Zu Hause um 5.30 Uhr.
2) Donnerstag: Erasmus-Party und Double-Birthday im Figaro.
Es ist einer meiner weniger geliebten Clubs. Daria aus Polen und Lucka aus Tschechien feierten dort ihren Geburtstag - die eine heraus, die andere hinein. „Pre Party“ war dieses Mal im Matsi-Wohnheim, wo so ziemlich die Hälfte meiner engeren Kontakte wohnt. Die Pre Party war, wie jedes Mal, jäh unterbrochen vom Gekeife, einer Rentnerin, die, warum auch immer, auch in diesem Wohnheim lebt und die sich, aufs neue, von unserem gut gelaunten Ambiente gestört wurde. Die halbe Stunde zum Club in klirrender Kälte haben wir dann auch schnell rumbekommen und nach einem Abend, dem ich 6,5 von 10 Sternen gebe, ging ich dann gemütlich meine 5 Minuten nach Hause.
Zu Hause um 5.45 Uhr.
3) Freitag: Campusparty in der Maschbau-Fakultät.
Nachdem uns schon zwei Hangover schachmatt gesetzt hatten, gingen wir es zunächst sehr ruhig an, trafen uns bei Romain, tranken so gut wie nichts und wussten auch nicht wohin uns der Abend trägt. Auf Matsi hatten wir keine Lust und für einen dieser "Fancy Clubs" waren wir zu kaputt. Also gingen wir auf einen 90Cent Double-Hot-Dog am Kamara-Platz, dem Treffpunkt Nummer 1in Thessaloniki und so eine Art Chemnitzer Zenti. Wir endeten nicht weit weg in Friedemanns Wohnung, wo uns sein sichtlich zugekiffter Mitbewohner (Amerikaner mit russischen Wurzeln) und ein mazedonischer Bekannter erwarteten. Nach einigen Runden Bier, süßem Schnaps und 4-5 SMS, die uns Übersicht über die freitagabendliche Lage verschafften, ging es also zum Campus. Jeden Freitag findet dort in der Faculty of Engineering eine typisch griechische 0815-Party statt. Der Laden ist voll, der Alkohol ist günstig und die Musik auch irgendwann erträglich. Man darf sich die Szenerie nicht wie eine typische Mensa-Party mit Organisation, Sitte und Ordnung vorstellen. Organisation: ein paar Studenten, die auflegen und einschenken. Sitte und Ordnung: fehl am Platz. Es hat Tradition, dass die Studenten das ganze Geschehen selbst bestimmen, sodass weder Polizei, noch andere ordnungsbestimmende Subjekte den Zutritt zum Campus wagen. So gehen jedes Mal mehrere Scheiben zu Bruch und die Flure sind übersät mit Graffiti und es interessiert buchstäblich "keine Sau". Die Maschbau-Fakultät ist ein Extrembeispiel, aber so sieht es fast überall aus.
- Zu Hause um 5.00 Uhr.
4) Samstag: Thanksgiving and Spanish Movie Party:
Nachdem ich, im Gegensatz zu den Tagen zuvor, nicht zwischen 14 und 17 Uhr, sondern schon um 11 mit aufgewacht bin, dachte ich mir "was solls" und machte mich sogleich an den Herd, um wie es mein Bandkollege Falko aus Dresden einmal so schön formulierte "Klitscher aus Klotzsche" zu kochen. Denn es war Thanksgiving und Maria aus New York hatte mich und eine breites Portfolio aus west-mitteleuropäischen Landen eingeladen, jenes Fest mit ihr zu zelebrieren. Nach drei Stunden in der Küche und einem spannenden Spiel BVB vs. S04, das ich im Livestream verfolgt hatte, ging es also ans Ende der Stadt in eine gut 65qm große Wohnung, die Maria allein bewohnt (logisch, wenn man ein immenses Stipendium besitzt und bedenkt, dass man über 30min zum Campus braucht). Zu meinen Potatoe-Pancakes gab es zusätzlich noch Corn Soup und Salat, natürlich Turkey, Stuffing, Pumpkin und Rice, Pasta mit Cheese, Smashed Potatoes, Peaches mit Tuna, Cocos Cake und Cheese Cake mit Cheeries. Gott, ich bin immer noch satt! Sichtlich gebeutelt von dieser Völlerei aus Essen, Rotwein und belgischem Bier trieb es uns Männer noch einmal hinaus ins Zentrum. Wir schlugen im Basement auf und nach ein, zwei erfolgreichen Kicker- bzw. Bier-mit-Ouzo-Runden sowie einem seltsamen Gespräch mit einem gut 40 Jahre alten Spanier, führte uns der SMS-Verkehr zu einer spanischen Party. Endlich eine Party in einem dieser berühmten „Spanish Flats“. Die Spanier hatten irgendwie das Motto verfehlt. Das eigentliche war "Filmcharaktere", aber es sah eher nach einer Bad Taste Party aus, zu der es ausschließlich spanische Musik hagelte. Der Lärmpegel war überaus hoch! In anderen Wohnungen wäre um 23 Uhr schon längst entweder die Polizei oder der 80 Jahre alte Nachbar mit Pyjama und Besen erschienen. Insgesamt war es irgendwie so grotesk und witzig, dass wir uns bis 6.30 Uhr am Leben hielten und ich nach einem letzten 90-Cent-Hot-Dog schließlich
um 7.00 Uhr zu Hause war.
Ausflug nach Ioannina & Metsovo:
Nach dem ereignisreichen Trip nach Athos, zog ich es vor, mich zurückzulehnen und einen vom ESN (European Student Network)- Thessaloniki organisierten Ausflug zu frönen. Dies geschah höchst spontan und meine einzige bekannte Begleitung war Maija aus Lettland. Im Bus waren mir ca. 90% der Leute gänzlich unbekannt, was ein erneutes Indiz ist, wie viele Erasmus-Studenten in Thessaloniki leben.
Ganz gemütlich ging es also in die Berge Nordgriechenlands nach Ioannina- eine mittelgroße Stadt mit einem mittelgroßen See und mittelgroßen Bars, in denen ich meinen ersten Abend verbrachte. Neben einer nicht allzu spannenden archäologischen Stätte und einer großzügigen Stadterkundung, ging es des späten nachmittags auf die idyllische Insel inmitten des schon angesprochenen mittelgroßen Sees. Da es kalt, jedoch auch sonnig war, fand ich mich wieder, wie ich alleine die Insel umrundete. Dabei nahm ich wirklich gelungen Bilder auf, die ihr wie immer auf meinem FB-Profil anschauen könnt :)
Auf der Rückfahrt zum Hotel waren alle querlängs durchgefroren und keiner hatte Lust die 20min von schräg nach links (also vom Hotel zur Innenstadt) zu laufen, um die Bars wieder mit seinen Euros zu Füttern wie die Tiere im Streichelzoo.
Daher kam einer unserer "Lehrer" auf die Idee "let's go to Lidl to buy some cheap alcohol". So kam es dann auch und es war ein Gelage, wie man es zuletzt in der Jugendherberge mit Hinz und Kunz durchlebt hat. Dem Hangover am nächsten Morgen begegnete ich mit Sonnenbrille und einem fröhlichen "Kalimera!", als ich das Frühstücksbuffet betrat.
Danach ging es also nach Metsovo. Einer süßen Bergstadt inmitten von Braunbären, Waldbeeren und Skigebieten. Die Stadt war trotz des Bombenwetters ein verräuchertes Elend. Denn an allen Ecken und Enden wurden riesige Slouvaki-Spieße gegrillt. Natürlich hab ich es mir nicht nehmen lassen, mir jene schmecken zu lassen. Nach einem mittelkurzen, zweisamen Spaziergang durch die Stadt waren wir auch schon wieder in Thessaloniki.
Nächster Trip: Mazedonien oder Athen.
Party-Schedule, Kalenderwoche 51:
Ich denke, es ist mal ganz interessant aufzuzeigen, welchen Anforderungen an das Nachtleben ich hier ausgesetzt bin.
1) Mittwoch: Wohnheimparty in Kassandrou. Die erste Wohnheimparty in Kassandrou stand eigentlich unter keinem guten Stern. Denn die Bewohner kennen sich gegenseitig so gut wie gar nicht! Die meisten haben ein Einzelzimmer; eine gemeinsame Küche o.Ä. gibt es auch nicht! Trotzdem waren auf der offiziellen FB-Einladung ca. 40 Leute eingeladen - am Ende waren es gut 80. Zuerst glühte man bei Daan, unserem allerliebsten Entertainer aus Holland, vor. Dann stellte man sich ins Treppenhaus, weil eben besagtes Gemeinschaftszimmer nicht vorhanden war. Mit steigendem Pegel wurde die Party zusehends nach draußen verlagert. Das Erklimmen eines geparkten, weißen Vans (der sich am nächsten Tag als gut getarnter Leichenwagen herausstellte) und eine großanlegte Kissenschlacht folgten. Da meine besten Freunde es vorzogen sich eine weibliche Begleitung für die Nacht zu verschaffen. Ging ich mit Yoann und weiteren bemerkenswert sympathischen Franzosen ins sogenannte "Basement". Diesen perfekt ausgestatteten Party-Keller hatte ein Grieche für Erasmusstudenten eingerichtet, da er seinen eigenen „Erasmus Spirit“ am Leben halten wollte. Er, nun gut 40, war vor 15 Jahren selbst in Spanien und fand es so klasse, dass er nun Kicker, Musikanlage, Fernseher und Bier (für 75Cent, mit Ouzo-Schuss 1€) feilbietet.
Zu Hause um 5.30 Uhr.
2) Donnerstag: Erasmus-Party und Double-Birthday im Figaro.
Es ist einer meiner weniger geliebten Clubs. Daria aus Polen und Lucka aus Tschechien feierten dort ihren Geburtstag - die eine heraus, die andere hinein. „Pre Party“ war dieses Mal im Matsi-Wohnheim, wo so ziemlich die Hälfte meiner engeren Kontakte wohnt. Die Pre Party war, wie jedes Mal, jäh unterbrochen vom Gekeife, einer Rentnerin, die, warum auch immer, auch in diesem Wohnheim lebt und die sich, aufs neue, von unserem gut gelaunten Ambiente gestört wurde. Die halbe Stunde zum Club in klirrender Kälte haben wir dann auch schnell rumbekommen und nach einem Abend, dem ich 6,5 von 10 Sternen gebe, ging ich dann gemütlich meine 5 Minuten nach Hause.
Zu Hause um 5.45 Uhr.
3) Freitag: Campusparty in der Maschbau-Fakultät.
Nachdem uns schon zwei Hangover schachmatt gesetzt hatten, gingen wir es zunächst sehr ruhig an, trafen uns bei Romain, tranken so gut wie nichts und wussten auch nicht wohin uns der Abend trägt. Auf Matsi hatten wir keine Lust und für einen dieser "Fancy Clubs" waren wir zu kaputt. Also gingen wir auf einen 90Cent Double-Hot-Dog am Kamara-Platz, dem Treffpunkt Nummer 1in Thessaloniki und so eine Art Chemnitzer Zenti. Wir endeten nicht weit weg in Friedemanns Wohnung, wo uns sein sichtlich zugekiffter Mitbewohner (Amerikaner mit russischen Wurzeln) und ein mazedonischer Bekannter erwarteten. Nach einigen Runden Bier, süßem Schnaps und 4-5 SMS, die uns Übersicht über die freitagabendliche Lage verschafften, ging es also zum Campus. Jeden Freitag findet dort in der Faculty of Engineering eine typisch griechische 0815-Party statt. Der Laden ist voll, der Alkohol ist günstig und die Musik auch irgendwann erträglich. Man darf sich die Szenerie nicht wie eine typische Mensa-Party mit Organisation, Sitte und Ordnung vorstellen. Organisation: ein paar Studenten, die auflegen und einschenken. Sitte und Ordnung: fehl am Platz. Es hat Tradition, dass die Studenten das ganze Geschehen selbst bestimmen, sodass weder Polizei, noch andere ordnungsbestimmende Subjekte den Zutritt zum Campus wagen. So gehen jedes Mal mehrere Scheiben zu Bruch und die Flure sind übersät mit Graffiti und es interessiert buchstäblich "keine Sau". Die Maschbau-Fakultät ist ein Extrembeispiel, aber so sieht es fast überall aus.
- Zu Hause um 5.00 Uhr.
4) Samstag: Thanksgiving and Spanish Movie Party:
Nachdem ich, im Gegensatz zu den Tagen zuvor, nicht zwischen 14 und 17 Uhr, sondern schon um 11 mit aufgewacht bin, dachte ich mir "was solls" und machte mich sogleich an den Herd, um wie es mein Bandkollege Falko aus Dresden einmal so schön formulierte "Klitscher aus Klotzsche" zu kochen. Denn es war Thanksgiving und Maria aus New York hatte mich und eine breites Portfolio aus west-mitteleuropäischen Landen eingeladen, jenes Fest mit ihr zu zelebrieren. Nach drei Stunden in der Küche und einem spannenden Spiel BVB vs. S04, das ich im Livestream verfolgt hatte, ging es also ans Ende der Stadt in eine gut 65qm große Wohnung, die Maria allein bewohnt (logisch, wenn man ein immenses Stipendium besitzt und bedenkt, dass man über 30min zum Campus braucht). Zu meinen Potatoe-Pancakes gab es zusätzlich noch Corn Soup und Salat, natürlich Turkey, Stuffing, Pumpkin und Rice, Pasta mit Cheese, Smashed Potatoes, Peaches mit Tuna, Cocos Cake und Cheese Cake mit Cheeries. Gott, ich bin immer noch satt! Sichtlich gebeutelt von dieser Völlerei aus Essen, Rotwein und belgischem Bier trieb es uns Männer noch einmal hinaus ins Zentrum. Wir schlugen im Basement auf und nach ein, zwei erfolgreichen Kicker- bzw. Bier-mit-Ouzo-Runden sowie einem seltsamen Gespräch mit einem gut 40 Jahre alten Spanier, führte uns der SMS-Verkehr zu einer spanischen Party. Endlich eine Party in einem dieser berühmten „Spanish Flats“. Die Spanier hatten irgendwie das Motto verfehlt. Das eigentliche war "Filmcharaktere", aber es sah eher nach einer Bad Taste Party aus, zu der es ausschließlich spanische Musik hagelte. Der Lärmpegel war überaus hoch! In anderen Wohnungen wäre um 23 Uhr schon längst entweder die Polizei oder der 80 Jahre alte Nachbar mit Pyjama und Besen erschienen. Insgesamt war es irgendwie so grotesk und witzig, dass wir uns bis 6.30 Uhr am Leben hielten und ich nach einem letzten 90-Cent-Hot-Dog schließlich
um 7.00 Uhr zu Hause war.
Montag, 21. November 2011
Demonstration in Thessaloniki am 17.11.2011
Das Video haben Friedemann und sein Mitbewohner letzten Donnerstag in den Straßen von Thessaloniki gedreht. Anlässlich des Feiertags zu ehren der getöteten Studenten bei der Revolte gegen die Militärdiktatur vor etwa 35 Jahren gingen ca. 15.000 Menschen auf die Straße. Größtenteils blieb es friedlich, lediglich die Videokameras vor den Banken wurden von der Fassade geschlagen. Noch bis nach Mitternacht lag Tränengas in der Luft...
Besondere Aufmerksamkeit bei: 1.58min und 6:09min (wenn jemand Action sehen will)
Trip to Athos: Reisetagebuch part 3
Athos, Südspitze, ca. 19.15Uhr: "Pennst du schon?" - "Nö."
Zehn Minuten später stand der Plan für den kommenden Tag fest. Mit den ersten Sonnenstrahlen wollten wir die etwa vier Stunden entfernte Anlegestelle unserer vorherigen Herberge erreichen, da diese auf der eher ruhigen Westseite der Halbinsel und damit im Windschatten eine ruhigere See bietet. Dachten wir.
Am nächsten Morgen also standen wir eine gute Stunde später, als wir uns eigentlich vorgenommen hatten, auf. Es war einfach noch zu kalt und zu dunkel. Als wir dann endlich soweit waren, wieder nach Agia Anna zu sprinten, wurden wir sogleich von unserem Gastgeber abgefangen und zu griechischem Kaffee (der mit viel Bodensatz), Süßkram und Obstler eingeladen. Die peinliche Stille am Tisch hielt Gott sei Dank nur wenige Minuten an, die sich jedoch sehr intensiv anfühlten, da uns der Mönch Löcher in die Gesichter starrte.
Jedenfalls waren wir unfassbar schnell in Agia Anna, die letzte Strecke bin ich quasi geflogen und war gut 20 Minuten vor Friedemann da. Mein Timing hätte besser nicht sein können, denn gerade kamen Neuankömmlinge aus dem Nebenkloster. So gab es einmal mehr Kaffee, Süßkram und Obstler. Irgendwie unausgewogen. Anyway. Fast vergaß ich nach der Fähre zu fragen, hätte ich mir eigentlich auch sparen können. Denn alle Fähren bis 12 Uhr fielen schon mal aus und die danach waren auch mehr als fraglich. Mein Blick auf das Meer ließ mir die Antwort auf die Frage "warum zum Teufel?!" schnell dämmern. Der Wind kam nun von Norden und spülte quasi alles aufs offene Meer hinaus, was nicht niet- und nagelfest war. Die Frage nach einem großen Deutschen mit auffallend weißer Jacke und chinesischen Wurzeln blieb auch ohne Ergebnis. Nachdem dann Friedemann eingetroffen war, seinen Kaffee runterwürgte (entsetzlich süß!) und mir seinen Obstler schenkte, gingen wir leicht beschwippst (jedenfalls ich) unserer Wege. Wir saßen ja de facto fest. Es gab kein Entkommen von der Halbinsel, da wir auch viele Kilometer von unserem Ausgangspunkt waren.
Da die Sonne herauskam und in windgeschützten Ecken aus sich anfühlte als wäre der Lenz persönlich Gast im Hause Athos, entschieden wir uns einfach die Zeit zu genießen und dankbar für diesen Extratag zu sein. Als hätte uns diese Entscheidung positiven Karma gegeben, trafen wir 5 Minuten später auf Micha, der langsam aber kontinuierlich in dieselbe Richtung, mit demselben Plan lief. Er erzählte uns von seiner Gipfelerklimmung, die wirklich nicht allzu spaßig gewesen war. Sein immenses, triumphierendes Grinsen übertünchte dies aber fantastisch.
So zogen wir weiter. Teilweise lachend, dann wieder ruhig und die Natur genießend. Teilweise auch marodierend, da uns der Hunger Mandarinen und Orangen von den Bäumen der Klöster stehlen ließ.
Die restliche Zeit war sehr angenehm. Im T-Shirt zogen wir binnen 4-5 Stunden von Kloster zu Kloster und trafen schließlich in einem sehr schönen, direkt am Strand ein und waren zugleich perfekt im Timing (Abendessen) und auch am nächsten Morgen gegen 8 zum Mittagessen. Es hat was für sich, um diese frühe Stunde Fisch, Spinat, Feta und Rotwein zu sich zu nehmen, dem Genuschel eines Mönchs zu lauschen, der aus einem Buch liest, und dann pünktlich zum Gongschlag gezwungen zu sein aufzustehen und zu gehen.
Der Rest war ein Kinderspiel und die Heimreise halbwegs angenehm.
In Thessaloniki waren alle voller Sorge, da wir uns ab und zu gemeldet haben, was so los ist - aber natürlich nur in den dramatischen Momenten :)
- Ende -
P.S.: Ich muss die Echtzeitberichterstattung aufgeben, da einfach ein Trip nach dem anderen kommt und ich auch komplett das Schreiben über das Uni- und Stadtleben vernachlässigt habe!
Zehn Minuten später stand der Plan für den kommenden Tag fest. Mit den ersten Sonnenstrahlen wollten wir die etwa vier Stunden entfernte Anlegestelle unserer vorherigen Herberge erreichen, da diese auf der eher ruhigen Westseite der Halbinsel und damit im Windschatten eine ruhigere See bietet. Dachten wir.
Am nächsten Morgen also standen wir eine gute Stunde später, als wir uns eigentlich vorgenommen hatten, auf. Es war einfach noch zu kalt und zu dunkel. Als wir dann endlich soweit waren, wieder nach Agia Anna zu sprinten, wurden wir sogleich von unserem Gastgeber abgefangen und zu griechischem Kaffee (der mit viel Bodensatz), Süßkram und Obstler eingeladen. Die peinliche Stille am Tisch hielt Gott sei Dank nur wenige Minuten an, die sich jedoch sehr intensiv anfühlten, da uns der Mönch Löcher in die Gesichter starrte.
Jedenfalls waren wir unfassbar schnell in Agia Anna, die letzte Strecke bin ich quasi geflogen und war gut 20 Minuten vor Friedemann da. Mein Timing hätte besser nicht sein können, denn gerade kamen Neuankömmlinge aus dem Nebenkloster. So gab es einmal mehr Kaffee, Süßkram und Obstler. Irgendwie unausgewogen. Anyway. Fast vergaß ich nach der Fähre zu fragen, hätte ich mir eigentlich auch sparen können. Denn alle Fähren bis 12 Uhr fielen schon mal aus und die danach waren auch mehr als fraglich. Mein Blick auf das Meer ließ mir die Antwort auf die Frage "warum zum Teufel?!" schnell dämmern. Der Wind kam nun von Norden und spülte quasi alles aufs offene Meer hinaus, was nicht niet- und nagelfest war. Die Frage nach einem großen Deutschen mit auffallend weißer Jacke und chinesischen Wurzeln blieb auch ohne Ergebnis. Nachdem dann Friedemann eingetroffen war, seinen Kaffee runterwürgte (entsetzlich süß!) und mir seinen Obstler schenkte, gingen wir leicht beschwippst (jedenfalls ich) unserer Wege. Wir saßen ja de facto fest. Es gab kein Entkommen von der Halbinsel, da wir auch viele Kilometer von unserem Ausgangspunkt waren.
Da die Sonne herauskam und in windgeschützten Ecken aus sich anfühlte als wäre der Lenz persönlich Gast im Hause Athos, entschieden wir uns einfach die Zeit zu genießen und dankbar für diesen Extratag zu sein. Als hätte uns diese Entscheidung positiven Karma gegeben, trafen wir 5 Minuten später auf Micha, der langsam aber kontinuierlich in dieselbe Richtung, mit demselben Plan lief. Er erzählte uns von seiner Gipfelerklimmung, die wirklich nicht allzu spaßig gewesen war. Sein immenses, triumphierendes Grinsen übertünchte dies aber fantastisch.
So zogen wir weiter. Teilweise lachend, dann wieder ruhig und die Natur genießend. Teilweise auch marodierend, da uns der Hunger Mandarinen und Orangen von den Bäumen der Klöster stehlen ließ.
Die restliche Zeit war sehr angenehm. Im T-Shirt zogen wir binnen 4-5 Stunden von Kloster zu Kloster und trafen schließlich in einem sehr schönen, direkt am Strand ein und waren zugleich perfekt im Timing (Abendessen) und auch am nächsten Morgen gegen 8 zum Mittagessen. Es hat was für sich, um diese frühe Stunde Fisch, Spinat, Feta und Rotwein zu sich zu nehmen, dem Genuschel eines Mönchs zu lauschen, der aus einem Buch liest, und dann pünktlich zum Gongschlag gezwungen zu sein aufzustehen und zu gehen.
Der Rest war ein Kinderspiel und die Heimreise halbwegs angenehm.
In Thessaloniki waren alle voller Sorge, da wir uns ab und zu gemeldet haben, was so los ist - aber natürlich nur in den dramatischen Momenten :)
- Ende -
P.S.: Ich muss die Echtzeitberichterstattung aufgeben, da einfach ein Trip nach dem anderen kommt und ich auch komplett das Schreiben über das Uni- und Stadtleben vernachlässigt habe!
Donnerstag, 17. November 2011
Trip to Athos: Reisetagebuch part 2
Der Plan stand schon früh am Vortag fest. Da wir ja beschlossen hatten einen Tag länger zu bleiben, nahmen wir uns vor, uns bis zur Südspitze der Halbinsel vorzukämpfen, um den heiligen Berg Athos zu erklimmen. Der Gipfel liegt auf 2033m Höhe und der Ehrgeiz in mir war vollständig geweckt, als ich bemerkte, dass es nur schlappe 5 Stunden von Agia Anna aus sind. Das Problem war nur, dass wir auf gut 200m Höhe starten mussten und daher der Großteil des Aufstiegs noch vor uns lag. Auf etwa 1000m trennte sich die Spreu vom Weizen: ich ging relativ schnell voran, Micha nur unweit hinter mir, aber Frieder hatte einige Probleme hinter uns. Das erste Ziel lag auf 1500m Höhe. Es handelt sich um eine kleine Hütte, die ein wenig Schutz und Rast bieten sollte. Auf dem Weg nach oben wurde es zusehends ungemütlicher neben den orkanartigen Winden, verschwand die Sonne unter einer dichten Wolken- bzw. Nebelsuppendecke. Außerdem war es ausgesprochen kalt! Wir trafen eine Gruppe griechischer und später eine Gruppe russischer Wanderer. Die Griechen bekräftigten mein Bild von einer luxiorösen Berghütte, die nicht mehr weit entfernt war. Allerdings deuteten sie auf meine gefälschten sechs-Euro-Chucks aus Istanbul und gaben mir den Rat, lieber vorsichtig zu sein. Die Russen waren etwas freundlicher und teilten Süßkram und Mail-Adressen mit mir. Die vollständig im militärischen Camouflage gekleideten und ausgesprochen aufgedrehten Herren versuchten mir mit wirklich ausgesprochen schlechtem Englisch klar zu machen, dass es da oben wohl ein kulinarischen Eldorado zu finden gibt mit Betten weich wie Wolken...oder so ähnlich. Jedenfalls machte sich bei mir die Skepsis ob dem Erfolg dieser Mission langsam breit. Nachdem mir Sergej seine Handschuhe als Abschiedsgeschenk überreichte hatte, zogen Micha und ich weiter, Frieder war nirgends zu sehen. Hm.
Die Wege wurden zusehends verschneiter und unübersichtlicher. Irgendwie schaffte ich es dann doch zu dieser Hütte, die zwar stabil aussah, eher dem Komfort einer schlecht beheizten Kapelle ähnelte. So war es dann auch. Es war tatsächlich eine schlecht beheizte Kapelle mit einer Feuerstelle, einem Brunnen, ein paar Gaskochern und einem Raum mit Eisenbetten - einige mit Schaumstoffmatratzen versehen. Die Russen hatten gut lachen, besaßen sie doch Schlafsäcke, Winterausrüstung und warme Kleidung. Plötzlich heulte der Wind stark auf und Frieder trat herein. Eigentlich hatte ich ja Micha erwartet, aber darum kümmerte ich mich nicht weiter. Wir versuchten vergeblich ein Lagerfeuer zu entzünden und spätestens da war klar, dass wir hier auf keinen Fall nächtigen wollen! Wir versuchten Micha zu kontaktieren doch nach ein paar Worten wurde das Handy-Gespräch von dem nächsten Hieb aus Schnee, Eis und Windstärke 11 unterbrochen. Es war wirklich bitterkalt und extrem windig - unmöglich den Gipfel zu erreich vor allem da es noch 500m zu überwinden galt! Eine SMS traf ein: "Gehe zum Gipfel. Griechen sagen, wir können da schlafen. Sehen uns oben. Letzte SMS, dann ist Akku leer". Toll. Wir hatten ihn also verloren.
Wir antworteten dass wir zu der Unterkunft gehen die wir nach dem Abstieg eigentlich zur Übernachtung vorgesehen hatten und hofften dass er diese SMS noch erhält, noch bevor er zu einer Eisskulptur erstarrt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Micha meisterlich die Hütte umgangen ist, wahrscheinlich in nicht einmal 15m Entfernung. Wir stiegen also ab und es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir wieder die Sonne im Gesicht hatten. Nach der anderen Hälfte der Ewigkeit sahen wir endlich unsere Herberge. Auf dem Weg nach unten fühlten wir uns, als hätten wir 3 Jahreszeiten durchwandert. Winter an der Hütte, Herbst nach den ersten Sonnenstrahlen und Frühling an der Küste. Der Wind ebbte jedoch niemals ab. Total erschöpft angekommen, schlichen wir uns Richtung Kirche. Meine Beine zitterten vor Hunger, denn wieder gab es nur Äpfel und gestohlene Orangen zu essen den ganzen Tag. Ein Mönch ließ uns herein und gab uns einen großen Teller mit Brot, Oliven und Bohnensuppe (ein absolutes Festmahl!). Für die Kommunikation mussten wir uns Frieders iPhone-App bedienen, da der Mönch kein Wort Englisch sprach. Unser Hauptinteresse lag vornehmlich darin, zu erfahren, wann die Fähre von dieser letzten Bastion am Ende der Welt abfährt. Der Mönche lachte kurz mit einem "No, no, no, no!" auf. Was so viel hieß "keine Fähre". Er untermalte diesen Punkt indem er die Backen dick aufblies und dann einen Windstoß mimte. Klingt eigentlich ganz witzig, bedeutete aber, dass wir festsaßen - am Ende der Welt ohne Griechischkenntnisse und ohne Micha. 18Uhr. Schlafenszeit.
...
Die Wege wurden zusehends verschneiter und unübersichtlicher. Irgendwie schaffte ich es dann doch zu dieser Hütte, die zwar stabil aussah, eher dem Komfort einer schlecht beheizten Kapelle ähnelte. So war es dann auch. Es war tatsächlich eine schlecht beheizte Kapelle mit einer Feuerstelle, einem Brunnen, ein paar Gaskochern und einem Raum mit Eisenbetten - einige mit Schaumstoffmatratzen versehen. Die Russen hatten gut lachen, besaßen sie doch Schlafsäcke, Winterausrüstung und warme Kleidung. Plötzlich heulte der Wind stark auf und Frieder trat herein. Eigentlich hatte ich ja Micha erwartet, aber darum kümmerte ich mich nicht weiter. Wir versuchten vergeblich ein Lagerfeuer zu entzünden und spätestens da war klar, dass wir hier auf keinen Fall nächtigen wollen! Wir versuchten Micha zu kontaktieren doch nach ein paar Worten wurde das Handy-Gespräch von dem nächsten Hieb aus Schnee, Eis und Windstärke 11 unterbrochen. Es war wirklich bitterkalt und extrem windig - unmöglich den Gipfel zu erreich vor allem da es noch 500m zu überwinden galt! Eine SMS traf ein: "Gehe zum Gipfel. Griechen sagen, wir können da schlafen. Sehen uns oben. Letzte SMS, dann ist Akku leer". Toll. Wir hatten ihn also verloren.
Wir antworteten dass wir zu der Unterkunft gehen die wir nach dem Abstieg eigentlich zur Übernachtung vorgesehen hatten und hofften dass er diese SMS noch erhält, noch bevor er zu einer Eisskulptur erstarrt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Micha meisterlich die Hütte umgangen ist, wahrscheinlich in nicht einmal 15m Entfernung. Wir stiegen also ab und es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir wieder die Sonne im Gesicht hatten. Nach der anderen Hälfte der Ewigkeit sahen wir endlich unsere Herberge. Auf dem Weg nach unten fühlten wir uns, als hätten wir 3 Jahreszeiten durchwandert. Winter an der Hütte, Herbst nach den ersten Sonnenstrahlen und Frühling an der Küste. Der Wind ebbte jedoch niemals ab. Total erschöpft angekommen, schlichen wir uns Richtung Kirche. Meine Beine zitterten vor Hunger, denn wieder gab es nur Äpfel und gestohlene Orangen zu essen den ganzen Tag. Ein Mönch ließ uns herein und gab uns einen großen Teller mit Brot, Oliven und Bohnensuppe (ein absolutes Festmahl!). Für die Kommunikation mussten wir uns Frieders iPhone-App bedienen, da der Mönch kein Wort Englisch sprach. Unser Hauptinteresse lag vornehmlich darin, zu erfahren, wann die Fähre von dieser letzten Bastion am Ende der Welt abfährt. Der Mönche lachte kurz mit einem "No, no, no, no!" auf. Was so viel hieß "keine Fähre". Er untermalte diesen Punkt indem er die Backen dick aufblies und dann einen Windstoß mimte. Klingt eigentlich ganz witzig, bedeutete aber, dass wir festsaßen - am Ende der Welt ohne Griechischkenntnisse und ohne Micha. 18Uhr. Schlafenszeit.
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Mittwoch, 16. November 2011
Trip to Athos: Reisetagebuch part 1
Nach knapp zwei Wochen war es nun mal wieder Zeit für einen "Ausflug" und wie so oft entstand die Idee für diesen Ausflug mehr als nur spontan. Eines Morgens, ich war gerade mit zwei Deutschen auf der „2. Deutsch-Griechischen Städtetagung“ (größtenteils wegen dem kostenlosen Catering), stieß ein weiterer deutscher Erasmus-Student zu uns und erzählte von seinem Vorhaben zur Mönchsrepublik Athos zu reisen. Friedemann und ich waren hellauf begeistert und gingen nach einem ausgiebig zusammengeschnorrten Frühstück zum "Pilgrims Bureau Thessaloniki". Friedemann und ich hatten zwar unsere Ausweise vergessen, aber sagten zu, die grundlegenden Perso-Daten dem Bureau per Mail zu schicken. Bei Micha lief alles glatt.
Was ist Athos? Athos ist eine Halbinsel, die halbautonom von der griechisch-orthodoxen Kirche verwaltet wird. Man braucht eine Erlaubnis/ ein Visum von einem der zuständigen Pilgerbüros um dort hinzugelangen. Pro Tag ist es lediglich zehn nicht-Orthodoxen erlaubt die Halbinsel zu betreten und das auch nur für max. 4 Tage. Auf der Halbinsel selbst leben ca. 2000 Mönche in zumeist griechisch-orthodoxen Klöstern, Kirchengemeinden oder Einsiedeleien. Daneben existiert noch je ein russisch- und ein bulgarisch-orthodoxes Kloster. Weiterhin leben unzählige Saisonarbeiter auf der Insel: Handwerker, Holzfäller usw.
Was kann man dort unternehmen? Pilgern.: als von A nach B wandern,um Obdach und Mahlzeit zu ersuchen. Kurzum: laufen, beten, essen, schlafen.
Jedenfalls: Friedemann aus Brandenburg (Jurastudent), Michael aus Kiel (34 Jahre jung und Theologiestudent) und meine Wenigkeit fuhren also Freitagmorgen um 6.00 Uhr von Thessaloniki mit dem Bus nach Ouranoupolis, um mit der dort erteilten "Permission" mit einer der Fähren weiter die Halbinsel runter nach Dafni zu fahren. Leider lief da etwas mit Friedemanns und meiner Permission schief, da wir nicht im System waren. Er vermutete sofort, dass unsere Mails im Spam-Ordner des Pilgrims Bureaue gelandet sind. Shit. Keine Chance an diesem Tag nach Athos zu kommen. Micha zog alleine los. Friedemann und ich blieben total angepisst und vom Regenwetter gepeinigt am Hafen zurück. Und nun? Hostel suchen, hinlegen und den Typ in Thessaloniki die Leviten lesen! Das taten wir auch und wir erhielten die Zusage am Tag darauf die Permission zu bekommen. Wir vertrödelten den ganzen miesen Tag dann mit Biertrinken und herumwandern. In Ouranoupolis war nicht viel zu holen Mitte November. Das Hostel war echt gut und relativ preiswert und so ging der Tag auch schnell rum.
Tags darauf verlief alles sehr schnell. Wir bekamen die Permission und schon saßen wir im Schnellboot nach Dafni. Man konnte rein gar nix von der Umgebung erkennen, da die Fenster total mit Salz verkrustet waren und so blieb mir nur das Studieren der Passagiere. Die meisten waren Arbeiter und wurden hier und da unterwegs bei dem einen oder anderen Kloster abgeladen. Die meisten hatten einen nicht unerheblichen Vorrat an Wein und weiteren Köstlichkeiten bei sich.
In Dafni angekommen deckten wir uns mit allerhand Kartenmaterial ein und stießen mit einem kleinen 80cent-Bier auf unser eintreffen an. Micha stieß auch alsbald zu uns und wir schmiedeten gewaltige Pläne: 1. wir bleiben einen Tag länger, 2. wir nehmen eine Fähre Richtung Süden. Gesagt, getan und wir erreichten den zuckrigen Süden der Halbinsel. Atemberaubende Landschaft! Man kann es auf den Bildern sehen und ich glaube ich sollte nicht zu viele Worte darüber verlieren. Wir stiegen also beim ersten Kloster aus, sahen uns um, verpassten aber leider den Begrüßungsschnaps! Also gingen wir wieder eilig unserer Wege. Im nächsten Kloster, es war "schon" 15 Uhr, fand gerade die Abendmesse statt. Nach kurzem Gespräch mit einem jungen Mönch, war es uns erlaubt einzutreten aber nur in den Vorsaal, da wir keine Orthodoxen sind (ich gab während der ganzen Reise vor Protestant zu sein, wie die anderen beiden, da es für mich schwierig geworden wäre meine ungläubige Einstellung mit der sozialistischen Herkunft meiner Familie zu erläutern). Gleich darauf wurden wir zum Abendessen eingeladen, was ein wenig Aufsehen erregte, da wir auch einen eigenen Tisch bekamen. Wir waren übrigens total schlecht ausgerüstet: eine Flasche Wasser und so gut wie nichts zu essen dabei. Deswegen kam uns der Mahlzeit sehr gelegen: Oliven, Brot, Wasser und eine wirklich gute und dicke Mehlsuppe mit Kräutern und Gemüse aus dem Klostergarten.
Wir zogen nach einen herzlichen Verabschiedung der Mönche von Agio Pavlo wieder unserer Wege zum nächsten Plätzchen- einer kleinen Kirche mit nur wenigen Mönchen und Gästen. Die Frage, ob wir denn schon gegessen hätten verneinten wir mit freudigem Blick und schon saßen wir wieder vor einem Berg von Brot, Oliven und Spaghetti mit etwas Lammfleisch. Kräftigst gestärkt klauten wir wieder die übrigen Äpfel vom Tisch und gingen zur nächsten Messe. Ein gute Stunde murmelndes Griechisch kombiniert mit wohlriechendem Weihrauch oder Myrre (ja, ich glaube, es war Myrre…). Danach war der Ablauf klar. Zähneputzen und ab ins Bett…um 19Uhr. Vor dem Hintergrund, dass die erste Messe schon um fünf Uhr morgens weitergeht, war die Zu-Bett-Geh-Zeit ziemlich praktisch. Von den Sägewerkgeräuschen des Schlafsaals der Nach abgesehen, war es eine gemütliche Zeit in dem 12-Mann-Zimmer. Nach der Messe, dem überzuckerten griechischem Kaffee und Süßigkeiten machten wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg, denn wir hatten großes vor…
Was ist Athos? Athos ist eine Halbinsel, die halbautonom von der griechisch-orthodoxen Kirche verwaltet wird. Man braucht eine Erlaubnis/ ein Visum von einem der zuständigen Pilgerbüros um dort hinzugelangen. Pro Tag ist es lediglich zehn nicht-Orthodoxen erlaubt die Halbinsel zu betreten und das auch nur für max. 4 Tage. Auf der Halbinsel selbst leben ca. 2000 Mönche in zumeist griechisch-orthodoxen Klöstern, Kirchengemeinden oder Einsiedeleien. Daneben existiert noch je ein russisch- und ein bulgarisch-orthodoxes Kloster. Weiterhin leben unzählige Saisonarbeiter auf der Insel: Handwerker, Holzfäller usw.
Was kann man dort unternehmen? Pilgern.: als von A nach B wandern,um Obdach und Mahlzeit zu ersuchen. Kurzum: laufen, beten, essen, schlafen.
Jedenfalls: Friedemann aus Brandenburg (Jurastudent), Michael aus Kiel (34 Jahre jung und Theologiestudent) und meine Wenigkeit fuhren also Freitagmorgen um 6.00 Uhr von Thessaloniki mit dem Bus nach Ouranoupolis, um mit der dort erteilten "Permission" mit einer der Fähren weiter die Halbinsel runter nach Dafni zu fahren. Leider lief da etwas mit Friedemanns und meiner Permission schief, da wir nicht im System waren. Er vermutete sofort, dass unsere Mails im Spam-Ordner des Pilgrims Bureaue gelandet sind. Shit. Keine Chance an diesem Tag nach Athos zu kommen. Micha zog alleine los. Friedemann und ich blieben total angepisst und vom Regenwetter gepeinigt am Hafen zurück. Und nun? Hostel suchen, hinlegen und den Typ in Thessaloniki die Leviten lesen! Das taten wir auch und wir erhielten die Zusage am Tag darauf die Permission zu bekommen. Wir vertrödelten den ganzen miesen Tag dann mit Biertrinken und herumwandern. In Ouranoupolis war nicht viel zu holen Mitte November. Das Hostel war echt gut und relativ preiswert und so ging der Tag auch schnell rum.
Tags darauf verlief alles sehr schnell. Wir bekamen die Permission und schon saßen wir im Schnellboot nach Dafni. Man konnte rein gar nix von der Umgebung erkennen, da die Fenster total mit Salz verkrustet waren und so blieb mir nur das Studieren der Passagiere. Die meisten waren Arbeiter und wurden hier und da unterwegs bei dem einen oder anderen Kloster abgeladen. Die meisten hatten einen nicht unerheblichen Vorrat an Wein und weiteren Köstlichkeiten bei sich.
In Dafni angekommen deckten wir uns mit allerhand Kartenmaterial ein und stießen mit einem kleinen 80cent-Bier auf unser eintreffen an. Micha stieß auch alsbald zu uns und wir schmiedeten gewaltige Pläne: 1. wir bleiben einen Tag länger, 2. wir nehmen eine Fähre Richtung Süden. Gesagt, getan und wir erreichten den zuckrigen Süden der Halbinsel. Atemberaubende Landschaft! Man kann es auf den Bildern sehen und ich glaube ich sollte nicht zu viele Worte darüber verlieren. Wir stiegen also beim ersten Kloster aus, sahen uns um, verpassten aber leider den Begrüßungsschnaps! Also gingen wir wieder eilig unserer Wege. Im nächsten Kloster, es war "schon" 15 Uhr, fand gerade die Abendmesse statt. Nach kurzem Gespräch mit einem jungen Mönch, war es uns erlaubt einzutreten aber nur in den Vorsaal, da wir keine Orthodoxen sind (ich gab während der ganzen Reise vor Protestant zu sein, wie die anderen beiden, da es für mich schwierig geworden wäre meine ungläubige Einstellung mit der sozialistischen Herkunft meiner Familie zu erläutern). Gleich darauf wurden wir zum Abendessen eingeladen, was ein wenig Aufsehen erregte, da wir auch einen eigenen Tisch bekamen. Wir waren übrigens total schlecht ausgerüstet: eine Flasche Wasser und so gut wie nichts zu essen dabei. Deswegen kam uns der Mahlzeit sehr gelegen: Oliven, Brot, Wasser und eine wirklich gute und dicke Mehlsuppe mit Kräutern und Gemüse aus dem Klostergarten.
Wir zogen nach einen herzlichen Verabschiedung der Mönche von Agio Pavlo wieder unserer Wege zum nächsten Plätzchen- einer kleinen Kirche mit nur wenigen Mönchen und Gästen. Die Frage, ob wir denn schon gegessen hätten verneinten wir mit freudigem Blick und schon saßen wir wieder vor einem Berg von Brot, Oliven und Spaghetti mit etwas Lammfleisch. Kräftigst gestärkt klauten wir wieder die übrigen Äpfel vom Tisch und gingen zur nächsten Messe. Ein gute Stunde murmelndes Griechisch kombiniert mit wohlriechendem Weihrauch oder Myrre (ja, ich glaube, es war Myrre…). Danach war der Ablauf klar. Zähneputzen und ab ins Bett…um 19Uhr. Vor dem Hintergrund, dass die erste Messe schon um fünf Uhr morgens weitergeht, war die Zu-Bett-Geh-Zeit ziemlich praktisch. Von den Sägewerkgeräuschen des Schlafsaals der Nach abgesehen, war es eine gemütliche Zeit in dem 12-Mann-Zimmer. Nach der Messe, dem überzuckerten griechischem Kaffee und Süßigkeiten machten wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg, denn wir hatten großes vor…
Donnerstag, 10. November 2011
Montag, 7. November 2011
Freitag, 4. November 2011
Hommage Thessaloniki
Mit der Sonne im Gesicht,
und Paul auf den Ohren,
ist die Uni schnell in Sicht.
90 Minuten lang gegohren,
und die Suche nach Internet verloren.
Romains Wohnung ein Refugium,
der Flüchtling vor dem Schrim bleibt zufrieden 2 Stunden stumm.
Prespa, Kastoria und Istanbul hinterließen ihre Spuren.
Der Magen von türkischer 50Cent Coca Cola zerfressen,
und das Hirn kommt wegen billig Bier auch nicht mehr auf Touren.
Noch eine Woche feiern wie bessesen...
Hund, Katz und so manch Taub' in den Straßen,
der Müll ward jedoch fortgetragen.
Das Referendum schon wieder abgeblasen,
die Regierung abgestanden, wie altes Bier.
Griechenland, du Perle der Ägäis,
in die gährt eine unbeschreibliche Messe.
Quo vadis?
In deinem Gesicht sehe ich nur noch Blässe.
Ich traue Dir und ich trauere um Dich,
die schönsten Stunden verbrachte ich mit Dir.
Seit Äonen ist der Mythos vergessen,
Du kannst Dich fortan nur an dir Selber messen.
Denn lernen kannst Du nur allein, wie ich.
Fin.
#Jeder Fachfrau/jedem Fachmann bitte ich um Nachsicht, was die Stilistik betrifft.
und Paul auf den Ohren,
ist die Uni schnell in Sicht.
90 Minuten lang gegohren,
und die Suche nach Internet verloren.
Romains Wohnung ein Refugium,
der Flüchtling vor dem Schrim bleibt zufrieden 2 Stunden stumm.
Prespa, Kastoria und Istanbul hinterließen ihre Spuren.
Der Magen von türkischer 50Cent Coca Cola zerfressen,
und das Hirn kommt wegen billig Bier auch nicht mehr auf Touren.
Noch eine Woche feiern wie bessesen...
Hund, Katz und so manch Taub' in den Straßen,
der Müll ward jedoch fortgetragen.
Das Referendum schon wieder abgeblasen,
die Regierung abgestanden, wie altes Bier.
Griechenland, du Perle der Ägäis,
in die gährt eine unbeschreibliche Messe.
Quo vadis?
In deinem Gesicht sehe ich nur noch Blässe.
Ich traue Dir und ich trauere um Dich,
die schönsten Stunden verbrachte ich mit Dir.
Seit Äonen ist der Mythos vergessen,
Du kannst Dich fortan nur an dir Selber messen.
Denn lernen kannst Du nur allein, wie ich.
Fin.
#Jeder Fachfrau/jedem Fachmann bitte ich um Nachsicht, was die Stilistik betrifft.
Dienstag, 1. November 2011
I-i-i-i-i-istabul ! ! ! ! (a.k.a. Konstantinopel, a.k.a. Byzanz)
Nachdem ich mich ganze 40 Stunden von meinem letzten Ausflug erholen konnte, winkte auch schon der doppelte griechische Feiertag. Und was macht man wenn man sechs Tage Lenz hat? Genau. Man löhnt 64 €für eine 10-stündige Busfahrt in einer der aufstrebendsten Städte der Welt. Was die Entscheidung für dieses Unterfangen betraf, so hielten sich Spontanität und Skepsis exakt die Waage. Spontanität natürlich, weil gerade einmal seine schmutzigen Socken vom letzten Wochenende gelüftet hatte und Skepsis, weil unsereins nicht gerade der Fan des türkischen Morgenlandes ist. Nachdem ich zum Ende der großartigen neunziger Jahre mit meinen Großeltern sieben sonnige Tage in einer dieser berühmt berüchtigten All-Inklusive-Hotelfestungen zugebracht hatte, lässt sich meine Beziehung zu Kebap-Country eher mit der Zuneigung zu einem guten Stück kalter Bratwurst vergleichen.
Jedenfalls ging es nun am Dienstag um 23.30 Uhr (Ortszeit Thessaloniki) ca. 600km straight in Richtung Osten. Die Anzahl der Menschen in der Gruppe belief sich auf knapp 15 Leute, wobei 14 in einem einzigen Hostel-Zimmer zubringen sollten. Die Truppe war wieder einmal bunt gemischt: 3 Belgier, 1 Franzose, 1 Holländer, 2 Iren, 2 Spanier, 1 Serbin, 2 Polinnen, 2 Deutsche, 1 Ungarin, 1 Palästinenser, 1 Amerikanerin… Ich glaube so war es. Daneben gab es noch zwei weitere Erasmus-Gruppen die parallel aber nicht mit uns in Istanbul den Tag vertrödelten. Vorteil jener Gruppen: ihr geringe Größe.
Nach 2 Stunden Aufenthalt, an zwischen und nach der griechisch-türkischen Grenze (Visa, Passkontrolle, Duty-Free-Shop), erreichten wir nach 0,5 Stunden Schlaf die Stadt unserer Sehnsucht – aber zunächst Mitten im Nirgendwo. Ein Shuttle-Bus brachte uns dann auf den Taksim-Platz, wo wir erst einmal weitere 2 Stunden im Nieselregen um Orientierung ringen mussten. Unserer Hostel befand sich direkt im grausigen Touristenviertel der Stadt, genau zwischen ehrwürdig alten Moscheen und dem „Four Seasons“. Es war spartanisch. Zwei Duschen und zwei Toiletten für ca. 30 Leute versus gratis WiFi. Das Frühstück war okay, nur hatte man meistens einen netten Hangover und verpasste es natürlich. Wir besuchten allerlei Dinge, die, was den Eintritt betraf, die Urlaubskasse schon am ersten Tage sprengten. [An dieser Stelle möchte ich mich offiziell über das magere Essen beschweren. Schämt euch uns so einen Mist wie kalten Dürüm ohne Sauce, Tomaten, oder einer Spur Fleisch anzudrehen!]
Schlechtes Mittagessen: Check! Shisha-Café. Check! Schlechtes Abendessen: Check! 4 Bier für 7 Euro: Check! Trinkspiele bis 3 Uhr morgens: Check!
Der Rest der Reise gestaltete sich insgesamt genauso. Die Gruppe war dermaßen groß und unbeweglich und vom Kater zerfressen, dass wir die Zeit leider dementsprechend vertrödelten. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, richtig Party zu machen. Der Abend war auch echt gut! Nur befanden wir uns eher im unteren Drittel was Qualität und Spaß betraf, wenn man im Nachhinein feststellt, was das Istanbuler Nachtleben doch wirklich zu bieten hat. Nach einer Bootstour und weiteren Shisha-Bars folgte am entscheidenden letzten Tag, ein wunderschöner Ausflug auf die asiatische Seite Istanbuls. Eine Gruppe jüngerer und älterer Damen veranstalteten einen riesigen Kuchen- und was-die-türkische-Cuisine-sonst-so-zu-bieten-hat-Bazar. Sie sammelten Geld für die Opfer des Erdbebens in der Osttürkei und wir stopften uns alle gehörig mit den leckersten handgemachten Sachen voll. Ich erkannte die Organisation sofort wieder. Letztes Jahr versuchte ein Schiff dieser NGO den Gaza-Streifen mit Hilfsgütern zu erreichen und wurde von einem israelischen Spezialkommando gewaltsam aufgehalten. Mehrere Menschen starben. Seit diesem Kuchenbazar rede ich regelmäßig mit Amr aus Palästina über allerlei Dinge. Es ist erstaunlich wie ähnlich unsere Kulturen sind und es ist traurig dass man nichts darüber weiß… Meine Meinung ist fern ab von jeglicher politischer Einstellung, aber seitdem gehört Amr zu meinen engsten Freunden in Thessaloniki.
Ich spare natürlich gerade viele Dinge aus… Zum Schluss möchte ich kurz von der Rückfahrt berichten. Wieder einmal steckten wir an der türkischen Grenze, im Duty-Free-Shop und an der griechischen Grenze fest. Nur hieß es dieses Mal „Taschenkontrolle“! Und natürlich nicht stichprobenartig, auch nicht willkürlich, sondern gezielt und diskriminierend zugleich. Lediglich unsere 4 osteuropäischen Freundinnen und eine Argentinierinnen wurden wegen (General-) Verdachts auf Drogenbesitz bis auf die Unterwäsche gefilzt. Eine wirklich ungerechte Scheiße. Der andere Deutsche, Freund meiner ungarischen Mitbewohnerin, und ich schauten dem Prozedere mit dickem Hals zu (natürlich nicht allem). Als Thies dann wirklich richtig sauer wurde und den griechischen Officer anschrie und sichtlich bemüht war, ihn zusammenzufalten, brachen die Beamten das Ganze vorzeitig ab. Auf der Rückfahrt waren die Mädels zum Teil etwas verstört und zum Teil ziemlich erbost. Was ist denn die EU-Mitgliedschaft Wert, wenn man das Gleichheitsprinzip mit Füßen tritt? „Risikogruppe Osteuropäer“ hieß es. Bullshit.
Im Großen und Ganzen hatten wir eine fantastische Gruppe. Der Wert des kulturellen Austausches und der immer engeren Freundschaften lassen sich kaum in Worte fassen. Amr aus Palästina und Romain aus Frankreich gehören zur Zeit zu meinen engsten Freunden. Während des Trips waren wir definitiv die Clowns der Gruppe, Reibepunkte für die anderen und immer unterwegs.
Nach so vielen spannenden Tagen bekomme ich ein wenig Wehmut und möchte gern bis Juli hierbleiben. Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust.
Jedenfalls ging es nun am Dienstag um 23.30 Uhr (Ortszeit Thessaloniki) ca. 600km straight in Richtung Osten. Die Anzahl der Menschen in der Gruppe belief sich auf knapp 15 Leute, wobei 14 in einem einzigen Hostel-Zimmer zubringen sollten. Die Truppe war wieder einmal bunt gemischt: 3 Belgier, 1 Franzose, 1 Holländer, 2 Iren, 2 Spanier, 1 Serbin, 2 Polinnen, 2 Deutsche, 1 Ungarin, 1 Palästinenser, 1 Amerikanerin… Ich glaube so war es. Daneben gab es noch zwei weitere Erasmus-Gruppen die parallel aber nicht mit uns in Istanbul den Tag vertrödelten. Vorteil jener Gruppen: ihr geringe Größe.
Nach 2 Stunden Aufenthalt, an zwischen und nach der griechisch-türkischen Grenze (Visa, Passkontrolle, Duty-Free-Shop), erreichten wir nach 0,5 Stunden Schlaf die Stadt unserer Sehnsucht – aber zunächst Mitten im Nirgendwo. Ein Shuttle-Bus brachte uns dann auf den Taksim-Platz, wo wir erst einmal weitere 2 Stunden im Nieselregen um Orientierung ringen mussten. Unserer Hostel befand sich direkt im grausigen Touristenviertel der Stadt, genau zwischen ehrwürdig alten Moscheen und dem „Four Seasons“. Es war spartanisch. Zwei Duschen und zwei Toiletten für ca. 30 Leute versus gratis WiFi. Das Frühstück war okay, nur hatte man meistens einen netten Hangover und verpasste es natürlich. Wir besuchten allerlei Dinge, die, was den Eintritt betraf, die Urlaubskasse schon am ersten Tage sprengten. [An dieser Stelle möchte ich mich offiziell über das magere Essen beschweren. Schämt euch uns so einen Mist wie kalten Dürüm ohne Sauce, Tomaten, oder einer Spur Fleisch anzudrehen!]
Schlechtes Mittagessen: Check! Shisha-Café. Check! Schlechtes Abendessen: Check! 4 Bier für 7 Euro: Check! Trinkspiele bis 3 Uhr morgens: Check!
Der Rest der Reise gestaltete sich insgesamt genauso. Die Gruppe war dermaßen groß und unbeweglich und vom Kater zerfressen, dass wir die Zeit leider dementsprechend vertrödelten. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, richtig Party zu machen. Der Abend war auch echt gut! Nur befanden wir uns eher im unteren Drittel was Qualität und Spaß betraf, wenn man im Nachhinein feststellt, was das Istanbuler Nachtleben doch wirklich zu bieten hat. Nach einer Bootstour und weiteren Shisha-Bars folgte am entscheidenden letzten Tag, ein wunderschöner Ausflug auf die asiatische Seite Istanbuls. Eine Gruppe jüngerer und älterer Damen veranstalteten einen riesigen Kuchen- und was-die-türkische-Cuisine-sonst-so-zu-bieten-hat-Bazar. Sie sammelten Geld für die Opfer des Erdbebens in der Osttürkei und wir stopften uns alle gehörig mit den leckersten handgemachten Sachen voll. Ich erkannte die Organisation sofort wieder. Letztes Jahr versuchte ein Schiff dieser NGO den Gaza-Streifen mit Hilfsgütern zu erreichen und wurde von einem israelischen Spezialkommando gewaltsam aufgehalten. Mehrere Menschen starben. Seit diesem Kuchenbazar rede ich regelmäßig mit Amr aus Palästina über allerlei Dinge. Es ist erstaunlich wie ähnlich unsere Kulturen sind und es ist traurig dass man nichts darüber weiß… Meine Meinung ist fern ab von jeglicher politischer Einstellung, aber seitdem gehört Amr zu meinen engsten Freunden in Thessaloniki.
Ich spare natürlich gerade viele Dinge aus… Zum Schluss möchte ich kurz von der Rückfahrt berichten. Wieder einmal steckten wir an der türkischen Grenze, im Duty-Free-Shop und an der griechischen Grenze fest. Nur hieß es dieses Mal „Taschenkontrolle“! Und natürlich nicht stichprobenartig, auch nicht willkürlich, sondern gezielt und diskriminierend zugleich. Lediglich unsere 4 osteuropäischen Freundinnen und eine Argentinierinnen wurden wegen (General-) Verdachts auf Drogenbesitz bis auf die Unterwäsche gefilzt. Eine wirklich ungerechte Scheiße. Der andere Deutsche, Freund meiner ungarischen Mitbewohnerin, und ich schauten dem Prozedere mit dickem Hals zu (natürlich nicht allem). Als Thies dann wirklich richtig sauer wurde und den griechischen Officer anschrie und sichtlich bemüht war, ihn zusammenzufalten, brachen die Beamten das Ganze vorzeitig ab. Auf der Rückfahrt waren die Mädels zum Teil etwas verstört und zum Teil ziemlich erbost. Was ist denn die EU-Mitgliedschaft Wert, wenn man das Gleichheitsprinzip mit Füßen tritt? „Risikogruppe Osteuropäer“ hieß es. Bullshit.
Im Großen und Ganzen hatten wir eine fantastische Gruppe. Der Wert des kulturellen Austausches und der immer engeren Freundschaften lassen sich kaum in Worte fassen. Amr aus Palästina und Romain aus Frankreich gehören zur Zeit zu meinen engsten Freunden. Während des Trips waren wir definitiv die Clowns der Gruppe, Reibepunkte für die anderen und immer unterwegs.
Nach so vielen spannenden Tagen bekomme ich ein wenig Wehmut und möchte gern bis Juli hierbleiben. Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust.
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