Donnerstag, 17. November 2011

Trip to Athos: Reisetagebuch part 2

Der Plan stand schon früh am Vortag fest. Da wir ja beschlossen hatten einen Tag länger zu bleiben, nahmen wir uns vor, uns bis zur Südspitze der Halbinsel vorzukämpfen, um den heiligen Berg Athos zu erklimmen. Der Gipfel liegt auf 2033m Höhe und der Ehrgeiz in mir war vollständig geweckt, als ich bemerkte, dass es nur schlappe 5 Stunden von Agia Anna aus sind. Das Problem war nur, dass wir auf gut 200m Höhe starten mussten und daher der Großteil des Aufstiegs noch vor uns lag. Auf etwa 1000m trennte sich die Spreu vom Weizen: ich ging relativ schnell voran, Micha nur unweit hinter mir, aber Frieder hatte einige Probleme hinter uns. Das erste Ziel lag auf 1500m Höhe. Es handelt sich um eine kleine Hütte, die ein wenig Schutz und Rast bieten sollte. Auf dem Weg nach oben wurde es zusehends ungemütlicher neben den orkanartigen Winden, verschwand die Sonne unter einer dichten Wolken- bzw. Nebelsuppendecke. Außerdem war es ausgesprochen kalt! Wir trafen eine Gruppe griechischer und später eine Gruppe russischer Wanderer. Die Griechen bekräftigten mein Bild von einer luxiorösen Berghütte, die nicht mehr weit entfernt war. Allerdings deuteten sie auf meine gefälschten sechs-Euro-Chucks aus Istanbul und gaben mir den Rat, lieber vorsichtig zu sein. Die Russen waren etwas freundlicher und teilten Süßkram und Mail-Adressen mit mir. Die vollständig im militärischen Camouflage gekleideten und ausgesprochen aufgedrehten Herren versuchten mir mit wirklich ausgesprochen schlechtem Englisch klar zu machen, dass es da oben wohl ein kulinarischen Eldorado zu finden gibt mit Betten weich wie Wolken...oder so ähnlich. Jedenfalls machte sich bei mir die Skepsis ob dem Erfolg dieser Mission langsam breit. Nachdem mir Sergej seine Handschuhe als Abschiedsgeschenk überreichte hatte, zogen Micha und ich weiter, Frieder war nirgends zu sehen. Hm.
Die Wege wurden zusehends verschneiter und unübersichtlicher. Irgendwie schaffte ich es dann doch zu dieser Hütte, die zwar stabil aussah, eher dem Komfort einer schlecht beheizten Kapelle ähnelte. So war es dann auch. Es war tatsächlich eine schlecht beheizte Kapelle mit einer Feuerstelle, einem Brunnen, ein paar Gaskochern und einem Raum mit Eisenbetten - einige mit Schaumstoffmatratzen versehen. Die Russen hatten gut lachen, besaßen sie doch Schlafsäcke, Winterausrüstung und warme Kleidung. Plötzlich heulte der Wind stark auf und Frieder trat herein. Eigentlich hatte ich ja Micha erwartet, aber darum kümmerte ich mich nicht weiter. Wir versuchten vergeblich ein Lagerfeuer zu entzünden und spätestens da war klar, dass wir hier auf keinen Fall nächtigen wollen! Wir versuchten Micha zu kontaktieren doch nach ein paar Worten wurde das Handy-Gespräch von dem nächsten Hieb aus Schnee, Eis und Windstärke 11 unterbrochen. Es war wirklich bitterkalt und extrem windig - unmöglich den Gipfel zu erreich vor allem da es noch 500m zu überwinden galt! Eine SMS traf ein: "Gehe zum Gipfel. Griechen sagen, wir können da schlafen. Sehen uns oben. Letzte SMS, dann ist Akku leer". Toll. Wir hatten ihn also verloren.
Wir antworteten dass wir zu der Unterkunft gehen die wir nach dem Abstieg eigentlich zur Übernachtung vorgesehen hatten und hofften dass er diese SMS noch erhält, noch bevor er zu einer Eisskulptur erstarrt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Micha meisterlich die Hütte umgangen ist, wahrscheinlich in nicht einmal 15m Entfernung. Wir stiegen also ab und es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir wieder die Sonne im Gesicht hatten. Nach der anderen Hälfte der Ewigkeit sahen wir endlich unsere Herberge. Auf dem Weg nach unten fühlten wir uns, als hätten wir 3 Jahreszeiten durchwandert. Winter an der Hütte, Herbst nach den ersten Sonnenstrahlen und Frühling an der Küste. Der Wind ebbte jedoch niemals ab. Total erschöpft angekommen, schlichen wir uns Richtung Kirche. Meine Beine zitterten vor Hunger, denn wieder gab es nur Äpfel und gestohlene Orangen zu essen den ganzen Tag. Ein Mönch ließ uns herein und gab uns einen großen Teller mit Brot, Oliven und Bohnensuppe (ein absolutes Festmahl!). Für die Kommunikation mussten wir uns Frieders iPhone-App bedienen, da der Mönch kein Wort Englisch sprach. Unser Hauptinteresse lag vornehmlich darin, zu erfahren, wann die Fähre von dieser letzten Bastion am Ende der Welt abfährt. Der Mönche lachte kurz mit einem "No, no, no, no!" auf. Was so viel hieß "keine Fähre". Er untermalte diesen Punkt indem er die Backen dick aufblies und dann einen Windstoß mimte. Klingt eigentlich ganz witzig, bedeutete aber, dass wir festsaßen - am Ende der Welt ohne Griechischkenntnisse und ohne Micha. 18Uhr. Schlafenszeit.
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