Athos, Südspitze, ca. 19.15Uhr: "Pennst du schon?" - "Nö."
Zehn Minuten später stand der Plan für den kommenden Tag fest. Mit den ersten Sonnenstrahlen wollten wir die etwa vier Stunden entfernte Anlegestelle unserer vorherigen Herberge erreichen, da diese auf der eher ruhigen Westseite der Halbinsel und damit im Windschatten eine ruhigere See bietet. Dachten wir.
Am nächsten Morgen also standen wir eine gute Stunde später, als wir uns eigentlich vorgenommen hatten, auf. Es war einfach noch zu kalt und zu dunkel. Als wir dann endlich soweit waren, wieder nach Agia Anna zu sprinten, wurden wir sogleich von unserem Gastgeber abgefangen und zu griechischem Kaffee (der mit viel Bodensatz), Süßkram und Obstler eingeladen. Die peinliche Stille am Tisch hielt Gott sei Dank nur wenige Minuten an, die sich jedoch sehr intensiv anfühlten, da uns der Mönch Löcher in die Gesichter starrte.
Jedenfalls waren wir unfassbar schnell in Agia Anna, die letzte Strecke bin ich quasi geflogen und war gut 20 Minuten vor Friedemann da. Mein Timing hätte besser nicht sein können, denn gerade kamen Neuankömmlinge aus dem Nebenkloster. So gab es einmal mehr Kaffee, Süßkram und Obstler. Irgendwie unausgewogen. Anyway. Fast vergaß ich nach der Fähre zu fragen, hätte ich mir eigentlich auch sparen können. Denn alle Fähren bis 12 Uhr fielen schon mal aus und die danach waren auch mehr als fraglich. Mein Blick auf das Meer ließ mir die Antwort auf die Frage "warum zum Teufel?!" schnell dämmern. Der Wind kam nun von Norden und spülte quasi alles aufs offene Meer hinaus, was nicht niet- und nagelfest war. Die Frage nach einem großen Deutschen mit auffallend weißer Jacke und chinesischen Wurzeln blieb auch ohne Ergebnis. Nachdem dann Friedemann eingetroffen war, seinen Kaffee runterwürgte (entsetzlich süß!) und mir seinen Obstler schenkte, gingen wir leicht beschwippst (jedenfalls ich) unserer Wege. Wir saßen ja de facto fest. Es gab kein Entkommen von der Halbinsel, da wir auch viele Kilometer von unserem Ausgangspunkt waren.
Da die Sonne herauskam und in windgeschützten Ecken aus sich anfühlte als wäre der Lenz persönlich Gast im Hause Athos, entschieden wir uns einfach die Zeit zu genießen und dankbar für diesen Extratag zu sein. Als hätte uns diese Entscheidung positiven Karma gegeben, trafen wir 5 Minuten später auf Micha, der langsam aber kontinuierlich in dieselbe Richtung, mit demselben Plan lief. Er erzählte uns von seiner Gipfelerklimmung, die wirklich nicht allzu spaßig gewesen war. Sein immenses, triumphierendes Grinsen übertünchte dies aber fantastisch.
So zogen wir weiter. Teilweise lachend, dann wieder ruhig und die Natur genießend. Teilweise auch marodierend, da uns der Hunger Mandarinen und Orangen von den Bäumen der Klöster stehlen ließ.
Die restliche Zeit war sehr angenehm. Im T-Shirt zogen wir binnen 4-5 Stunden von Kloster zu Kloster und trafen schließlich in einem sehr schönen, direkt am Strand ein und waren zugleich perfekt im Timing (Abendessen) und auch am nächsten Morgen gegen 8 zum Mittagessen. Es hat was für sich, um diese frühe Stunde Fisch, Spinat, Feta und Rotwein zu sich zu nehmen, dem Genuschel eines Mönchs zu lauschen, der aus einem Buch liest, und dann pünktlich zum Gongschlag gezwungen zu sein aufzustehen und zu gehen.
Der Rest war ein Kinderspiel und die Heimreise halbwegs angenehm.
In Thessaloniki waren alle voller Sorge, da wir uns ab und zu gemeldet haben, was so los ist - aber natürlich nur in den dramatischen Momenten :)
- Ende -
P.S.: Ich muss die Echtzeitberichterstattung aufgeben, da einfach ein Trip nach dem anderen kommt und ich auch komplett das Schreiben über das Uni- und Stadtleben vernachlässigt habe!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen