Montag, 28. November 2011

Herbst ist da

Eine wieder einmal durchlebte Woche liegt hinter mir:

Ausflug nach Ioannina & Metsovo:
Nach dem ereignisreichen Trip nach Athos, zog ich es vor, mich zurückzulehnen und einen vom ESN (European Student Network)- Thessaloniki organisierten Ausflug zu frönen. Dies geschah höchst spontan und meine einzige bekannte Begleitung war Maija aus Lettland. Im Bus waren mir ca. 90% der Leute gänzlich unbekannt, was ein erneutes Indiz ist, wie viele Erasmus-Studenten in Thessaloniki leben.
Ganz gemütlich ging es also in die Berge Nordgriechenlands nach Ioannina- eine mittelgroße Stadt mit einem mittelgroßen See und mittelgroßen Bars, in denen ich meinen ersten Abend verbrachte. Neben einer nicht allzu spannenden archäologischen Stätte und einer großzügigen Stadterkundung, ging es des späten nachmittags auf die idyllische Insel inmitten des schon angesprochenen mittelgroßen Sees. Da es kalt, jedoch auch sonnig war, fand ich mich wieder, wie ich alleine die Insel umrundete. Dabei nahm ich wirklich gelungen Bilder auf, die ihr wie immer auf meinem FB-Profil anschauen könnt :)
Auf der Rückfahrt zum Hotel waren alle querlängs durchgefroren und keiner hatte Lust die 20min von schräg nach links (also vom Hotel zur Innenstadt) zu laufen, um die Bars wieder mit seinen Euros zu Füttern wie die Tiere im Streichelzoo.
Daher kam einer unserer "Lehrer" auf die Idee "let's go to Lidl to buy some cheap alcohol". So kam es dann auch und es war ein Gelage, wie man es zuletzt in der Jugendherberge mit Hinz und Kunz durchlebt hat. Dem Hangover am nächsten Morgen begegnete ich mit Sonnenbrille und einem fröhlichen "Kalimera!", als ich das Frühstücksbuffet betrat.
Danach ging es also nach Metsovo. Einer süßen Bergstadt inmitten von Braunbären, Waldbeeren und Skigebieten. Die Stadt war trotz des Bombenwetters ein verräuchertes Elend. Denn an allen Ecken und Enden wurden riesige Slouvaki-Spieße gegrillt. Natürlich hab ich es mir nicht nehmen lassen, mir jene schmecken zu lassen. Nach einem mittelkurzen, zweisamen Spaziergang durch die Stadt waren wir auch schon wieder in Thessaloniki.
Nächster Trip: Mazedonien oder Athen.

Party-Schedule, Kalenderwoche 51:
Ich denke, es ist mal ganz interessant aufzuzeigen, welchen Anforderungen an das Nachtleben ich hier ausgesetzt bin.

1) Mittwoch: Wohnheimparty in Kassandrou. Die erste Wohnheimparty in Kassandrou stand eigentlich unter keinem guten Stern. Denn die Bewohner kennen sich gegenseitig so gut wie gar nicht! Die meisten haben ein Einzelzimmer; eine gemeinsame Küche o.Ä. gibt es auch nicht! Trotzdem waren auf der offiziellen FB-Einladung ca. 40 Leute eingeladen - am Ende waren es gut 80. Zuerst glühte man bei Daan, unserem allerliebsten Entertainer aus Holland, vor. Dann stellte man sich ins Treppenhaus, weil eben besagtes Gemeinschaftszimmer nicht vorhanden war. Mit steigendem Pegel wurde die Party zusehends nach draußen verlagert. Das Erklimmen eines geparkten, weißen Vans (der sich am nächsten Tag als gut getarnter Leichenwagen herausstellte) und eine großanlegte Kissenschlacht folgten. Da meine besten Freunde es vorzogen sich eine weibliche Begleitung für die Nacht zu verschaffen. Ging ich mit Yoann und weiteren bemerkenswert sympathischen Franzosen ins sogenannte "Basement". Diesen perfekt ausgestatteten Party-Keller hatte ein Grieche für Erasmusstudenten eingerichtet, da er seinen eigenen „Erasmus Spirit“ am Leben halten wollte. Er, nun gut 40, war vor 15 Jahren selbst in Spanien und fand es so klasse, dass er nun Kicker, Musikanlage, Fernseher und Bier (für 75Cent, mit Ouzo-Schuss 1€) feilbietet.
Zu Hause um 5.30 Uhr.

2) Donnerstag: Erasmus-Party und Double-Birthday im Figaro.
Es ist einer meiner weniger geliebten Clubs. Daria aus Polen und Lucka aus Tschechien feierten dort ihren Geburtstag - die eine heraus, die andere hinein. „Pre Party“ war dieses Mal im Matsi-Wohnheim, wo so ziemlich die Hälfte meiner engeren Kontakte wohnt. Die Pre Party war, wie jedes Mal, jäh unterbrochen vom Gekeife, einer Rentnerin, die, warum auch immer, auch in diesem Wohnheim lebt und die sich, aufs neue, von unserem gut gelaunten Ambiente gestört wurde. Die halbe Stunde zum Club in klirrender Kälte haben wir dann auch schnell rumbekommen und nach einem Abend, dem ich 6,5 von 10 Sternen gebe, ging ich dann gemütlich meine 5 Minuten nach Hause.
Zu Hause um 5.45 Uhr.

3) Freitag: Campusparty in der Maschbau-Fakultät.
Nachdem uns schon zwei Hangover schachmatt gesetzt hatten, gingen wir es zunächst sehr ruhig an, trafen uns bei Romain, tranken so gut wie nichts und wussten auch nicht wohin uns der Abend trägt. Auf Matsi hatten wir keine Lust und für einen dieser "Fancy Clubs" waren wir zu kaputt. Also gingen wir auf einen 90Cent Double-Hot-Dog am Kamara-Platz, dem Treffpunkt Nummer 1in Thessaloniki und so eine Art Chemnitzer Zenti. Wir endeten nicht weit weg in Friedemanns Wohnung, wo uns sein sichtlich zugekiffter Mitbewohner (Amerikaner mit russischen Wurzeln) und ein mazedonischer Bekannter erwarteten. Nach einigen Runden Bier, süßem Schnaps und 4-5 SMS, die uns Übersicht über die freitagabendliche Lage verschafften, ging es also zum Campus. Jeden Freitag findet dort in der Faculty of Engineering eine typisch griechische 0815-Party statt. Der Laden ist voll, der Alkohol ist günstig und die Musik auch irgendwann erträglich. Man darf sich die Szenerie nicht wie eine typische Mensa-Party mit Organisation, Sitte und Ordnung vorstellen. Organisation: ein paar Studenten, die auflegen und einschenken. Sitte und Ordnung: fehl am Platz. Es hat Tradition, dass die Studenten das ganze Geschehen selbst bestimmen, sodass weder Polizei, noch andere ordnungsbestimmende Subjekte den Zutritt zum Campus wagen. So gehen jedes Mal mehrere Scheiben zu Bruch und die Flure sind übersät mit Graffiti und es interessiert buchstäblich "keine Sau". Die Maschbau-Fakultät ist ein Extrembeispiel, aber so sieht es fast überall aus.
- Zu Hause um 5.00 Uhr.

4) Samstag: Thanksgiving and Spanish Movie Party:
Nachdem ich, im Gegensatz zu den Tagen zuvor, nicht zwischen 14 und 17 Uhr, sondern schon um 11 mit aufgewacht bin, dachte ich mir "was solls" und machte mich sogleich an den Herd, um wie es mein Bandkollege Falko aus Dresden einmal so schön formulierte "Klitscher aus Klotzsche" zu kochen. Denn es war Thanksgiving und Maria aus New York hatte mich und eine breites Portfolio aus west-mitteleuropäischen Landen eingeladen, jenes Fest mit ihr zu zelebrieren. Nach drei Stunden in der Küche und einem spannenden Spiel BVB vs. S04, das ich im Livestream verfolgt hatte, ging es also ans Ende der Stadt in eine gut 65qm große Wohnung, die Maria allein bewohnt (logisch, wenn man ein immenses Stipendium besitzt und bedenkt, dass man über 30min zum Campus braucht). Zu meinen Potatoe-Pancakes gab es zusätzlich noch Corn Soup und Salat, natürlich Turkey, Stuffing, Pumpkin und Rice, Pasta mit Cheese, Smashed Potatoes, Peaches mit Tuna, Cocos Cake und Cheese Cake mit Cheeries. Gott, ich bin immer noch satt! Sichtlich gebeutelt von dieser Völlerei aus Essen, Rotwein und belgischem Bier trieb es uns Männer noch einmal hinaus ins Zentrum. Wir schlugen im Basement auf und nach ein, zwei erfolgreichen Kicker- bzw. Bier-mit-Ouzo-Runden sowie einem seltsamen Gespräch mit einem gut 40 Jahre alten Spanier, führte uns der SMS-Verkehr zu einer spanischen Party. Endlich eine Party in einem dieser berühmten „Spanish Flats“. Die Spanier hatten irgendwie das Motto verfehlt. Das eigentliche war "Filmcharaktere", aber es sah eher nach einer Bad Taste Party aus, zu der es ausschließlich spanische Musik hagelte. Der Lärmpegel war überaus hoch! In anderen Wohnungen wäre um 23 Uhr schon längst entweder die Polizei oder der 80 Jahre alte Nachbar mit Pyjama und Besen erschienen. Insgesamt war es irgendwie so grotesk und witzig, dass wir uns bis 6.30 Uhr am Leben hielten und ich nach einem letzten 90-Cent-Hot-Dog schließlich
um 7.00 Uhr zu Hause war.

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